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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 2 und 3)

kunstgewerblichen Gesichtspunkte oder wegen ihrer künstlerischen Bedeutung zunächst 
von Interesse wären. An erster Stelle sind hier wohl die vom k. u. k. Marine-Museum in 
Pola dem k. k. naturhistorischen I-Iofmuseum abgetretenen grossen und kostbaren Stücke 
zu nennen, welche aus Peking stammen und hervorragende Werke der chinesischen 
Kunstübung aus älterer Zeit 
(zumeist dem XVII. Jahr- 
hundert) darstellen. Es sind 
dies ein überaus prunkvoller 
Tempelschirm von nahezu 
3 Meter Breite und 2'5 Meter 
Höhe in roter Peking-Lack- 
arbeit ausgeführt, ein von 
stilvoller Umrahmung ein- 
gefasstes Triptychon mit 
Reliefdarstellungen chinesi- 
scher I-Iofszenen dekoriert, 
welche aus den mehrfach 
übereinander gelagerten 
verschiedenfarbigen Lack- 
schichten auf das mühe- 
vollste und mit feinstem 
Sinne für die Farbennuan- 
cierung herausgeschnitten 
sind. Der Schirm stammt 
aus einen Tempel des kaiser- 
lichen Jagdparkes Nan-hai- 
tze in Peking und dürfte 
eine Arbeit des XVII. ]ahr- 
hunderts sein. 
Sodann ist, aus dem- 
selben Tempel herrührend. 
eine Statue des Buddha aus 
Bronzeguss mit schwerer Goldplattierung zu erwähnen, deren Ornamentierung an der 
Gewandung und am Postament aus der Goldauflage herausziseliert scheint, mit chinesischer, 
mongolischer und tibetanischerlnschrift (XVILJahrhundert). Endlich verdient ein kolossales 
Räucherbecken aus Bronze, in vier Abteilungen, hervorgehoben zu werden, welches auf 
einem zylindrischen beckenartigen Untersatz aufgestellt war, der wie das Räuchergefäss 
selbst die reichste Reliefplastik aufweist. Das Stück ist 4'5 Meter hoch und stellt eine 
erlesene Probe der weitfortgeschrittenen Bronzeguss-Technik der Chinesen dar. 
An zweiter Stelle ist eine Kollektion von xoo Nummern altjavanischer Bronzealter- 
tümer aus der I-Ieiden- und buddhistischen Zeit Javas zu nennen, welche das Museum dem 
Sammler Herrn Robert Heidsieck in Amsterdam verdankt. 
In der Sammlung von ethnographischen Objekten der Giljaken, Golden und 
Orotschonen Sibiriens ist namentlich eine Schamanentracht der Golden mit ihrem reichen 
figuralen Schmuck und dem vollständigen Götzeninventar hervorzuheben, welche für 
religionsgeschichtliche Studien eine höchst wertvolle Unterlage zu bieten vermag. 
Endlich sei auch noch auf zahlreiche ethnographische Gegenstände der Eingeborenen 
der Insel l-Iainan hingewiesen, welche auf Veranlassung des k. u. k. Vizekonsuls Nikolaus 
Post in Hongkong vom Seezoll-Assistenten Friedrich Matema in Pakhoi erworben wurden. 
Darunter befinden sich eine Anzahl hochinteressanter in Wirktechnik und farbiger 
Weberei dekorierter Trachtenstücke, ferner reizvolle geschnitzte I-Iaarnadeln aus Fisch- 
knochen mit Menschendarstellungen, zierlich dekorierte Esstäbe u. s. w., wie überhaupt 
 
Spitzentaschentuch, ausgeführt in Gossengrün
	        

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