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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 4)

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konservativer als Wien ist 
Prag. Die zahlreichen, 
gründlich gearbeiteten 
Bände von J. Spott halten 
sich meist innerhalb einer 
bewährten Renaissance. 
Ein grosses Missale ist 
bunt von halbarchaischen 
Lederapplikationen.Dieser 
Messbuchstil betont sich 
in Krakau (Robertjahoda) 
noch gotischeroderbyzan- 
tinischer; das liturgische 
Element setzt sich in Glas- 
fensterfarbe um. 
Wenden wir uns dem 
Auslande zu, so begegnen 
wir allen Modernitäten des 
Tages. Das solide Paris der 
petits fers lebt in den tadel- 
losen Maroquin- und Kalb- 
lederbänden von R. Petit 
(Prinz Franz Liechtenstein 
und Österreichisches 
Museum) und, etwas 
modischer, von Petrus 
Ruban (Fideikommiss- Henry Frowde, London, rotes Maroquin mit farbigen Einlagen 
Bibliothek). SeinAntipode, 
der Ledertreiber und Lederschneider Saint-Andre, ist mit mehreren meister- 
haften Reliefbänden vertreten, auch aus dem Besitze des Museums. Dieses 
Institut besitzt auch mit allen koloristischen Ledertechniken geschmückte 
Bände der Skandinavier (Anker Kyster, Tegner-Flyge) und jenes Kuriosum 
von Ch. Doudelet (Antwerpen 1901), den nur in sechs Exemplaren her- 
gestellten weissen Schweinslederband, dessen Ornamentik in Blindpressung 
aus primitiv-stilisierten Einzelformen (Vase, Taube, Shawls, Bäumchen) 
besteht, womit die luxuriöse Simplizität der Ausstattung seltsam stimmt 
oder auch nicht stimmt. Der Lederschnitt spielt natürlich eine grosse Rolle. 
G. Hulbe (Hamburg) wühlt buchstäblich in gediegenem Rindsleder und 
anderen Häuten. Während F. X. Weinzierl (München) noch mehr zum 
Gaudeamus- und Hubertusstil zu neigen scheint (sein kolossales „Goldenes 
Buch" erscheint förmlich in Lederkoller und Brustharnisch), berühren sich 
bei Hulbe alle Extreme: der blühweisse Pergamentband Vogelers mit 
hellstem Grün und Lila der Malerei und das braune Rindsleder des 
„Germanischen Museums" mit farbiger Reliefvedute im Butzenscheiben-
	        

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