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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 4)

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goldbrokatartigen Rosenmuster, die (wie Graf Latour erwähnt) damals bei 
den schottischen Buchbindern obligat waren. Was unsere Kunstgewerbe- 
Schüler in Phantasien für Vorsatzpapier leisten, hat man auf allen ein- 
schlägigen Ausstellungen bemerken können; auch das Vorsatzpapier unserer 
Monatsschrift stammt aus diesem Kreise, es ist von Else Unger. Und all 
dieser Handarbeit gegenüber stehen bereits die Werke der Maschine, die 
typographischen Vorsatzpapiere der Rudhardt'schen Giesserei in Offen- 
bach a. M., die ein kleines heraldisches Muster von sehr guter Typisierung 
ins Unendliche wiederholen lassen. Auch für die Kenntnis des modernen 
Vorsatzpapieres, obgleich die Proben diesmal doch einem engeren Kreise 
entnommen waren, ist jetzt ein günstiger Augenblick, den das Öster- 
reichische Museum genützt hat. Noch ein Stück kunstgewerbliches Ödland, 
das einst reich bebaut gewesen und nun wieder unter den Pflug ge- 
nommen wird. 
DIE KUNSTHISTORISCHE SAMMLUNG 
PIERPONT MORGANS 51b VON P. G. KONODY- 
LONDON Sh 
URCH die Spalten der englischen Tagespresse 
ging vor einigen Wochen ein Gerücht, dem- 
gemäss der amerikanische Milliardär Mr. Pier- 
pont Morgan den Entschluss gefasst hätte, die 
von ihm im Laufe von zirka zwanzig jahren 
gesammelten Kunstschätze in einem eigenen 
Museum in New-York zu vereinigen, welches 
er mit ungeheuerem Kostenaufwand neben 
seinem herrlichen Stadthause zu erbauen ge- 
denkt. Es seien ihm sogar die Pläne des Baues 
schon vorgelegt und von ihm angenommen 
worden. Da dieses Gerücht in keiner Weise dementiert wurde, kann man 
wohl annehmen, dass es auf Tatsachen beruht und dass innerhalb kurzer 
Zeit eine für europäische Kunstfreunde überaus traurige Auswanderung 
unersetzbarer Kunstwerke stattfinden wird. Der Schlag ist umso härter, 
als der Finanzheld bisher in grossmütiger Weise seine für unglaubliche 
Summen erworbenen Sammlungen der Öffentlichkeit preisgegeben und 
den Staats- und Munizipalmuseen von Athen bis Glasgow zur Verfügung 
gestellt hat. 
Obwohl von Zeit zu Zeit kurze Berichte über die Ankäufe Pierpont 
Morgans ihren Weg in die Presse finden, ist es schwer, sich einen Begriff 
von der weittragenden Bedeutung dieser kunsthistorischen Sammlung zu 
machen. Die von ihm bezahlten Summen erreichen eine schwindlige Höhe 

	        

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