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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 4)

 
Houdon, Der gegebene und der erwiderte Kuss 
zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ward ihm wieder der Platz 
eingeräumt, zu welchem ihn sein Genie berechtigt, und die Ausstellung der 
von Morgan erworbenen Panneaux hat ihn als einen der grössten Meister 
aller Zeiten enthüllt. 
Der Bildhauer Houdon hat das Geschick Fragonards geteilt. Auch er 
ist ein typischer Künstler der galanten Epoche; auch er war ein Zeuge des 
Umschwunges, der in der Kunst sowohl als auch im politischen Leben vor 
sich ging. Die beiden Doppelbüsten im Besitze Pierpont Morgans - der 
gegebene und der erwiderte Kuss - sind Fragonards in Marmor übertragen. 
Die beiden Stücke stammen aus der Mühlbacher Sammlung in Paris und 
werden in dem neuen Museum in New-York die französische Skulptur des 
I8. Jahrhunderts in würdiger Weise repräsentieren. 
Der eklektische Geschmack des amerikanischen Millionärs W wenn man 
bei einem Manne, der alles kauft, was ihm von verlässlicher Seite empfohlen 
wird und was ihm teuer genug erscheint, von Geschmack reden kann - ist 
an keinen Stil und an keine Periode gebunden. So ist es kaum zu verwundern, 
dass man neben Fragonard und Houdon auch ein herrliches Relief von Dona- 
tello findet. Es ist eine Madonna mit dem Kinde von unvergleichlich zarterer 
und vollendeterer Ausführung als die bekannte Version desselben Motives im 
Berliner Museum, an welche die Hand mit den auseinander gespreizten 
Fingern erinnert. Das ganze Werk, mit Ausnahme der beiden Köpfe, ist in 
ungemein flachem Relief gehalten. Dabei hat man doch ein deutliches Gefühl
	        

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