MAK

Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 4)

und begegnet sich in diesem Streben mit vielen 
Kunstfreunden, die in Juries sitzen. So hat er 
immer von vornherein starke Chancen. Wer 
freilich den gewissen Funken fordert, wird sich 
nicht an ihn wenden müssen. Sein Entwurf 
überredete hauptsächlich durch eine gewisse 
Porträtmässigkeit (die wir übrigens gar nicht 
so ausgesprochen finden). Gewiss hat ein 
solcher Zug von Authentizität seinen Wert, 
aber auf das künstlerische Moment hat der 
Künstler diesmal ganz verzichtet. Er lässt die 
Gestalt, mit einem Buch in beiden Händen, 
auf einer der sieben Stufen einer halbrunden 
Terrasse, einer Art Bühne im Freien, stille- 
halten. Auch alles Detail ist eigens so angelegt, 
dass es möglichst wenig sage, damit nicht 
gesagt werden könne, dass es etwas gesagt 
habe. Den meisten Beifall der kunstfreundlichen 
Kreise fand schliesslich doch der mit dem 
vierten Preise gekrönte Entwurf Franz Metzners 
in Friedenau-Berlin. Er ist ein junger Öster- 
reicher, in Wscherau (Böhmen) x873 geboren, 
und wird jetzt nach Wien übersiedeln. Er hat 
eine eigentümliche eigene Linie und Fläche, 
die selbst kleineren Arbeiten ein Element von 
Stil mitteilt. Ein Anklang an heroische oder 
tragische Stimmung tritt leicht hinzu. Dies ist 
in seinem Denkmalentwurf der Fall. Aus einer 
massigen Horizontalen (Kenotaph) steigt eine 
strenge Vertikale auf, die hohe, schlanke, feier- 
liche Gewandfigur, der man übrigens nicht 
mit Unrecht etwas Dante'sches nachgesagt 
hat. Rechts und links schliessen sich, ihr zu 
Füssen, gedrängte Menschenmassen an, Huldi- 
gende, Trauernde, auch diese grosslinig, gross- 
flächig behandelt. Das Werk ist wie aus einem 
Guss und hat einen ergreifenden Zug. Die 
übrigen Preise fielen Alexander Jaray, Hans Müller und Georg Winkler (Graz) zu. Das 
Deutschmeister-Denkmal Bitterlichs ist eine hohe schlanke Pyramide zwischen einem 
Krieger, der eben den Feind niedergeworfen hat, und einem brüllenden Löwen. An den 
Seiten Flachreliefs und Inschriften, oben ein Doppeladler mit ausgebreiteten Flügeln und 
als Bekrönung ein Kissen mit der Kaiserkrone. Dieser Abschluss ist im Umriss nicht glücklich 
und es ist zu viel abgebrauchte Symbolik verwendet. Der zweite Preis fiel an Wilhelm Seib, 
der dritte an Arthur Strasser mit Architekt Rudolf Dick. Die Architektur hat zu viel 
spintisiertes Kleindetail, vortrefflich dagegen sind vier an die Ecken der Pyramide gestellte 
Deutschmeister aus verschiedenen Epochen, in dunkler Bronze und Gold, und die 
St. Georgsgruppe der Spitze. Überflüssig ist eine eigene Vordergruppe mit einem toten 
Krieger, den ein Löwenpaar betrauert, während ein Kissen mit der Kaiserkrone aufbeider 
Rücken ruht. (l) Eine dritte Konkurrenz galt einer Plaque des Österreichischen Museums. 
Unter den 65 Entwürfen gab es fast nur einen brauchbaren, von Wilhelm l-Iejda. Dieser 
allerdings ist vortrefflich. In einem achteckigen Relief sieht man das ernste, senkrecht 
niedergehende Profil einer Göttin und ihre schlanke erhobene Hand, die eine reizende 
Salzstreuer aus vergoldeten: Silber, Periode der 
Königin Elisabeth 
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