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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 4)

1-3 durch den Kaiser eröffnet wurde, ist sehr ansehnlich ausgefallen. Sie füllt alle Räume 
des Hauses. In dem Säulenhofe steht grosse und kleine Plastik. Eine lebensgrosse Gipsgruppe 
Charlemonts von drei heiligen Frauen (Mater dolorosa) ist stark im Ausdruck, wenn sie 
auch von George Minne beeiniiusst sein mag. Von Antoine Jean Carles Pasteur-Denkmal 
(für Döle im Jura) sieht man die grosse Marmorgruppe einer sitzenden Mutter mit zwei 
Kindern, von einer Art zierlicher Massigkeit. Von Professor Prell (Dresden) einen mäch- 
tigen marmomen Akt (Prometheus) von korrekter Unbändigkeit. Vogls „Libelle" ist ein 
anmutiges Wesen mit merkwürdig vielen Extremitäten, die man ihr aber gönnt. Von 
Schwerdtner, Kaan, Zinsler sieht man gute Arbeiten. In einem der Säle steht auch Mar- 
schalls berühmter „guter I-Iirt", diesmal in Bronze. Mehrere grosse Gruppen von Sinding 
sind Kombinationen, die ungewohnt aussehen, ohne ungewöhnlich zu sein. Zu Rodins 
Lebzeiten ist man an andere Verschränkungen gewöhnt. Ganz überholt sind I-Iärdtls 
Figuren für einen Uhrgiebel im Parlamentshaus. Diese Uhr ist längst abgelaufen. In dem 
Porträtsaal hinter dem plastischen Hofe spielt Philipp Laszlo die Hauptrolle. Sein neues 
Kaiserporträt, sitzend, die linke Hand auf dem aufgestemmten Säbel, ist für ihn auffallend 
breit und tief behandelt. Ein Bild für Fernwirkung, wozu der interessant verteilte rote Fleck 
des Mantelfutters beiträgt. Das Brustbild der Erzherzogin Isabella hat alle Blondheiten 
der Palette, das Kniestück der Erzherzogin Marie Christine (Prinzessin Salm-Salm) eine 
dezente Pikanterie. Eines der besten I-Ierrenpomäts Laszlos ist das des Fürsten Dietrich- 
stein in Oberstenuniform, ein dunkles Tonstück, wie in einem hingegossen. Dagegen das 
Brustbild Alice Barbis ein Hott hingeschlenkertes Impromptu von fast arabeskenhaftem 
Reiz. Dann der Kopf des Grafen Albert Mensdorlf und eine Porträtstudie seiner eigenen 
Frau. Er hat doch jedesmal einen Zug, der wie ein Einfall aussieht. In dieser Nachbar- 
schaft hält sich ein grosses Sitzbild von Stauffer (ein Wiener Arzt), mit ruhiger Stuben- 
luft, recht glücklich. Eine liebenswürdige Arbeit ist Lebiedzkis halbgrosses Porträt der 
Baronin Ferstel, von sehr sauberer Zeichnung und mattem, ausgeglichenem Ton. Ein 
zierliches kleines Porträt in Magnatentracht (Graf Esterhazy) von Z.Aj dukiewicz, Swobo das 
Graf Kielmansegg, Frau Odilon als Gräfin Dubarry von Adams, ein gesundes Herren- 
porträt von Louis Uhl, Scharfs elegantes Damenporträt aus Paris, ein polnisches Kostüm- 
porträt von Rauchinger werden bemerkt. Genre ist reichlich, Landschaft noch reichlicher. 
Den grossen ernsten Ton schlägt Egger-Lienz in seiner Heimkehr von xßog-ern bei Tages- 
grauen an. Veith und Schram dagegen blühen in warmen Schmelzfarben. Isidor Kaufmann 
hat wieder einen galizischen Jungen bis ins Mikroskopische erforscht. Kinzel hat in die 
Anekdote von ehemals schon erkleckliche Sümmung gebracht. Geller, Strecker, Merode, 
I-lessl und andere gehen ihre unterhaltenden Pfade. Unter den Jüngeren fallen einige 
ernstlich auf. Larwins gut gesehene Streikende, wenn auch in der Farbe etwas leer geblie- 
ben, Schattensteins Szene mit lebensgrossem kroatischern Völkchen in gut bewältigtem 
Lampenlicht, jungwirths lustige, starkfarbige Episode eines bäuerlichen Pärchens, das ein 
Gitter übersteigen muss. Zimmermanns heilige Familie ist von schlichter ernster Form, 
bei kühlem Ton. Die Landschaften von Charlemont, der diesmal in Dettmann-Leistikow'- 
scher Gegend pürscht, Tomec (vortrefflich beleuchtete Böhmerwaldgegend), Russ (Tor 
von Orvieto), Darnaut, Schäffer (kühle Waldstimmungen), A. Kaufmann, auch von den 
jüngeren Kukla und Goebel, dann Pflügls Motiv aus der Stephanskirche sind nicht zu über- 
sehen. Sehr reich ist das Ausland vertreten, namentlich der Pariser Salon. Therese 
Schwartze (Amsterdam) schlägt ihre markige Note an (Mädchen an der Toilette), Fräu- 
lein Klumpke gibt mit etwas trockener Hand ein sehr vernünftiges Bildnis ihrer Meisterin 
Rosa Bonheur, E. de Grimberghe („Die Rivalin") schildert einen I-Iaremsmord, aus dem 
Schwarzen heraus, mit vorzüglichem weiblichem Akt, Devambez („La Charge") berichtet, 
gleichfalls schwarz, mit vielen elektrischen Lichtern, über einen abendlichen Krawall auf 
dem Boulevard, Rosset-Granger desgleichen, aber in farbigerer Note, über einen Unglücks- 
fall, wobei der Beleuchtungseffekt einer Apotheke vorzüglich gegeben ist. Unter einigen
	        

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