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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 5)

A Talent, in welcherKunstrichtung 
immer es sich dann betätigt. 
Groll hat die Gabe, seine Schüler 
für diese Disziplin zu begeistern; 
ernst und gewissenhaft, wie er 
den Dingen nachgeht, mit Liebe 
und Andacht auch für das 
scheinbar Unbedeutende, sind 
viele Arbeiten, die er brachte, 
so vor allem jene von Michel, 
Stella, Six, Malecki. 
Auch in den Fachschulen 
für Architektur der Professoren 
Herdtle und Beyer hat sich der 
Unterrichtsgang im Laufe der 
letzten Jahre wesentlich ver- 
ändert. Weit weniger als früher, 
Ausstellung der Wiener Kunstgewerbeschule, Zigarettentasche, dem neuen Uqternctätsplane 
entworfen von Amoinette Krasnik, ausgeführt von J. Sturm in entsprechend, Wlfd hie? auf 
Wim Momschm" das Stilstudium Gewicht gelegt, 
der theoretische Unterricht, den 
Professor Ginzel in Stillehre erteilt, muss Ersatz bieten, ob freilich aus- 
reichenden, mag bezweifelt werden, da er ja nur mehr ein Jahr dauert. 
Hinter den Kulissen der Ausstellung dieser Abteilungen scheint aller- 
dings, und das ist nur löblich und höchst wünschenswert, mancherlei in 
Stilübungen vorzugehen, was hier nicht vor die Öffentlichkeit trat, um die 
Einheitlichkeit der Exposition nicht zu stören. Aber das sind, wie bei Herdtle 
die zwei einzigen Kopien Bugls von Interieurs im Stile Louis XIV und XV 
aus Fontainebleau und Versailles als Ausnahmen zeigen, im allgemeinen 
gewiss nicht mehr, wie früher, gründlich durchgearbeitete Aufnahmen zum 
Zwecke völliger Erlernung bestimmter Stilcharaktere; es sind höchstens 
Skizzierübungen, die für die Erkenntnis von Detailformen zwar immerhin 
von grossem Werte sein mögen, aber das Eindringen in die Kompositions- 
weise bestimmter historischer Epochen kaum zureichend vermitteln und die 
Fähigkeit, solche Aufgaben, wie sie die Praxis doch immer noch stellt und 
stets stellen wird, schwerlich entwickeln werden. 
Aber das ist nun einmal so der Zug der Zeit, die Schüler haben selbst 
keine Freude und Lust mehr an der Pflege der Überlieferung und es muss einen 
vor dem Eintritt ins Leben die Sorge um dessen Unterhalt schon arg aufs 
Gewissen drücken, ehe er in unseren Zeitläuften daran denkt, das Versäumte 
nachzuholen. So muss denn die immer wiederholte Klage, dass in diesen 
Architekturschulen nur kopiert wird, allgemach verstummen. Wie lange wird's 
dauern und heftiger Tadel wird sich erheben, dass das freie Komponieren 
nach eigenen Ideen das vernünftige, praktische Studium alter Stile, das jetzt 

	        

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