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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 5)

Fächer, Seide {mit Malerei und bunten Strohauflagen in chinesischer Art. Elfenbeingestel], geschnitzt, mit 
Golddekor, Louis XVI. (Exzellenz Villa d'Urrutia) 
 
Im grossen wurde dann daraus eine „kalte Küche", wie man sie im Schloss- 
park zu Weimar sieht, mit allen erdenklichen Braten, Torten, dressierten 
Fischen und bunten Aufläufen in naturwahr gefärbtem Steingut. Die hier 
ausgestellte Miniaturküche weist unter all den Kasserolen, Töpfen und 
Hühnern sogar einen Amor aus Porzellan auf. Um den jetzigen Wert eines 
solchen Kuriosums zu kennzeichnen, sei erwähnt, dass kürzlich in Paris, bei 
der Vente Madame C. Lelong, ein „jouet simulant une cuisine, a bronze dore, 
a rocailles, iigurines en ancienne porcelaine de Saxe" um nicht weniger als 
16.200 Francs verkauft wurde. 
Ein eigenes interessantes Kapitel ist das der Pendule, dieses französischen 
Lieblingsmöbels im XVIII. Jahrhundert, wie schon der Bezeichnung „Sa1le 
de la pendule" im Versailler Schloss zu entnehmen ist. Ein eigener Pendulen- 
geist, eine Pendulenphantasie brachte damals eine Pendulenkunst zuwege; 
aber auch in unserer Zeit blieb die französische Pendule ein Ding sui generis, 
das seine Privilegien geniesst. So sieht man im prächtigen Mausoleum des 
Sultans Abdul-Aziz zu Konstantinopel neben den sultanischen Sarkophagen 
zwei prächtigeKolossalpendulen aufgestellt, die der Grossherr von Napoleon III. 
zum Geschenk bekommen hatte. In der Ausstellung sah man ganz klassische 
Stücke dieser Art. So vor allem die Pariser Goldbronzependule der Erz- 
herzogin Isabella (ehemals Erzherzog Albrecht), aus der Empirezeit, mit der 
Diane chasseresse auf dem von zwei Hirschen gezogenen Wagen. Gerade 
das Empire und die Biedermaierzeit waren in der naiven Schlauheit, mit der 
sie Motive für solche Darstellungen fanden, unerschöpflich. Eine spätere, 
superkluge Zeit nannte alles derartige in Bausch und Bogen abgeschmackt. 
Eine Wiener Alabasterpendule, von Kaufmann (Frau Henriette Kerpel), ist 
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