MAK

Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 6 und 7)

M839", ein Panneau auf Seide von Charles Conder 
 
Künstlern behandelt worden, doch glaube ich, dass ihr Werk vollständig 
uninspiriert erscheint und nur eine mittelmässige Nachahmung dessen ist, 
was sie bewundern. 
Könnte man in diesem unserem kalt berechnenden XX. Jahr- 
hundert an eine Seelenwanderung glauben, so könnte man wohl von Charles 
Conder vermuten, dass er einst in den Lustgärten von St. Cloud und Ver- 
sailles gewandelt und mit den eleganten und gebrechlichen Damen vom 
Hofe Ludwig XIV. und XV. geschäkert habe. 
Seine ihm ganz eigene Fähigkeit zeigt Conder in seinen dekorativen 
Arbeiten, denn in seinen Ölgemälden dagegen, in welchen er moderne Stoffe 
behandelt, scheint er sich nicht zu Hause zu fühlen, und seine Phantasie 
weigert sich, sich zu dem anmutigen Fluge zu erheben, an welchen uns seine 
deliziösen Fächer und dekorativen Panneaux gewöhnt haben. Einige seiner 
Fächer sind auf Seide gemalt, andere auf Vellum, und in einigen Beispielen 
finden sich auf der Oberfläche gut komponierte Gruppen von Figuren mit 
verschiedenen Gebärden, allerlei Lustbarkeiten und dazwischen Medaillons, 
welche winzige, mit äusserster Zartheit ausgeführte Figürchen enthalten. Die 
Farben von einigen dieser Fächer sind ganz wunderschön in ihren Perlmutter- 
tönen. Ein hervorragend schönes Beispiel dieser Art ist der hier reprodu- 
zierte „Frühlings-Fächer", welcher in den leichtesten Tönen von Grau, Blau 
und Grün gemalt ist. Der Entwurf dieses Fächers ist äusserst anmutsvoll 
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