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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 6 und 7)

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„Der Frühling", von Charles Conder 
hohe Anerkennung. Er ist jetzt nach Venedig gezogen, das er schon 
vorher besucht hatte. Ein Panneau „Venezianisches Fest im XV.]ahrhundert" 
ist ein dauerndes Zeugnis seines letzten Aufenthaltes in der Dogenstadt, 
obgleich Conder selbst jetzt mit diesem Werke unzufrieden ist und, wie ich 
glaube, die Mittelgruppe umzumalen gedenkt. Es wird interessant sein, zu 
sehen, was er diesmal mit sich zurückbringen wird! Es ist kaum möglich, 
sich Conder bei der Arbeit unter dem Einfluss des täglichen Londoner Lebens 
mit seinem hässlichen Lärm und Gedränge und Getreibe vorzustellen! Wenn 
die Vorhänge geschlossen sind und die Lampe in dem Heiligtume persön- 
licher Gedanken und heimlichen Geschmackes angezündet, wandert die 
Phantasie schrankenlos fernen Szenen und Gesichtern entgegen und die 
wirkliche Umgebung verschwindet. 
Eine Gruppe von Conders Fächern führt uns zu einem frivolen Tanz 
durch die verschiedenen Epochen! Ein Fächer ist das sprechende Symbol 
des Weibes und jede einzelne Geschichtsperiode hat einen besonderen 
Frauentypus geschaffen. Vor etwa zwanzig Jahren kam der Straussfeder- 
fächer in die Mode. Er war eine Erinnerung an die federige Flabella der 
alten Griechen und Römer und wuchs allmählich in Dimensionen, bis er ein 
wahrer Schirm für seine Trägerin wurde. Sein hoher Preis war nicht sein 
geringstes Verdienst, und wenn er in prächtigen Federn ausgeführt war, ver- 
einigte er Schönheit mit Vomehmheit. Er hatte zweierlei Aussehen, je nach 
der Laune der Eigentümerin: würdig und selbst erstarrend in dem gemessenen 
Schwunge seiner langen Federn oder gemütlich und heimlich, zu verstohlenen 
Geständnissen einladend. Sein unmittelbarer Vorgänger und auf kurze Dauer 
sein Zeitgenosse war der Satin- oder Seidenfächer von mässiger Grösse, der 
mit Guirlanden und Blumen und hie und da auch wohl mit Amoretten oder 
Rokokofiguren bemalt war, um ihm einen spielerischen oder liebelnden Akzent
	        

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