MAK

Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 6 und 7)

 
Dar Magenta-Fächer, von CharleslConder 
zu geben. Dieser Fächer war streng neutral, was Andeutung auf den sozialen 
Verkehr der beiden Geschlechter betrifft. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist 
der Federfacher verdrängt worden, und zwar vom Gazefächer und von kost- 
baren Spitzen, die mit zarten und komplizierten Zeichnungen oder mit 
Medaillons bemalt sind. Dieser Fächer gehört zu der Klasse, die man als 
prunkvoll und kostbar bezeichnen muss. Neuerlich ist die Mode zur Empire- 
Epoche zurückgekehrt, während welcher der Flitter eine Hauptrolle in der 
Frauenkleidung gespielt hat. Vor zwei Jahren sah eine Modedame bei einem 
Abendempfang wie eine Stemenkonstellation aus; sie tlickerte sinnverwirrend 
vom Kopf bis zu den Zehen. 
Gegenwärtig gibt die flatterhafte Göttin, die der Frau das Gesetz vor- 
schreibt, ihr vollständige Geschmacksfreiheit (wenn Geschmack überhaupt vor- 
handen ist). Sie kann unter den vielen Moden diejenige wählen, welche ihr am 
besten steht, und kann jeden beliebigen Stil ihren besonderen Erfordernissen 
anpassen. Was Kleidung betrifft, war das Weib nie in angenehmerer Lage als 
heute! Alte Reliquien werden aus den Schränken ans Licht gebracht und die 
anmutigen Brokate und Spitzen, welche einst die längst in Staub verfallenen 
Schönheiten vergangener Zeiten geschmückt haben, müssen nun ihren 
schönen Nachkommen zum Schmucke dienen. Die intimen Sitten der besseren 
Gesellschaft kehren mehr und mehr zu jenen zurück, welche für das Ende 
des XVIII. Jahrhunderts charakteristisch sind. Conders Fächer ilüstem eine 
Sprache, die gar manchen unter uns bekannt vorkommt. 
Conders Sujets sind stets phantastisch. Manche von seinen Landschafts- 
ölgemälden haben ein gewisses höchst sonderbares Aussehen von Unwirk- 
lichkeit. Die Farbe ist in zarten, kleinen Tupfen aufgesetzt, welche eher an 
Tambourinstickerei als an Ölmalerei erinnern, und in diesen Landschaften 
bewegen sich die kleinen, phantasievollen Figürchen mit jenem frohen
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.