MAK

Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 8 und 9)

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Herkules und Antäus, Relief am Mittel- 
portal des Palais 
plastische Verzierung aufweisen, während die 
Bildung der Portale, Konsolen und Balkons 
inklusive der Reliefverzierungen bei S. Kleiner 
eine dem heutigen Zustande ähnliche ist. 
Bekanntlich zeigt der heutige Palast wohl Rusti- 
zierung im unteren und Nutenzüge im oberen 
Geschosse wie auf den Abbildungen, aber 
keinerlei Gliederung in Vor- und Rücklagen. 
Der auf beiden Blättern vorkommende Waffen- 
trophäenfries unter dem Kranzgesimse fehlt, 
dafür aber findet sich an den Balkons jene 
originelle Verkröpfung des Geländers und in 
letzterer jener interessante, wohl den malerisch 
wirkenden Geländern des Palazzo Pesaro in 
Venedig nachgebildete Balusterwechsel, die 
beide in den Abbildungen zwar noch nicht vor- 
kommen, den Balkons aber den Charakter ganz 
eigenartiger Typen und zweifelsohne sehr 
beachtenswerter Sehenswürdigkeiten verleihen. 
Indem wir das Palais und dessen Fassade 
betrachten, steigt plötzlich der kolossale 
römische Palazzo Odescalchi vor unseren 
Augen auf "'. In seiner früheren Gestalt als 
Palazzo Chigi hat er mit seiner Mittelpartie, 
die Bernini vollendet, Falda und Sandrart 
publiziert, auf den Architekten unseres Kinsky- 
Palais in puncto Fassadendisposition unstreitig 
grossen Einfluss geübt. In seiner letzten, 
durch Niccoli Salvi und Luigi Vantivelli be- 
wirkten Metamorphose zeigt er mit unserem 
Engen-Palais (siehe unsere Abbildung weiter 
unten) eine entfernte Ähnlichkeit. Das Datum 
seiner Umgestaltung 1745 schliesst allerdings 
jegliche Musterbeziehung, die man etwa vermuten möchte, aus. In diesem 
Jahre wurde die verödete und devastierte Residenz des edlen Ritters dessen 
Erben bereits von staatswegen wieder abgekauft! 
In Bezug auf die Anzahl der Achsen und auf die Ausdehnung der Fassade 
wird unser Palast nur von den grössten römischen Palazzi übertroffen 
(Palazzo Odescalchi 24, Duca di Ceri I9), während er mit mehreren, wie der 
Palazzo Cornaro bei Fontana di Trevi und wie der Florentiner Palazzo Ric- 
cardi auf einer Linie steht (17), und die Fünfzehnzahl des Lateran so wie die 
geheiligten Dreizehn derPalazziFarnese und Borghese um etliche Fenster über- 
bietet. Die lange Ausdehnung der Fassade, die Rustizierung der Wand, die 
" Abbildung in „Durch ganz Italien". ll. S. 275.
	        

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