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Full text: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 8 und 9)

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vorherige Berechnung des schliesslichen Gesamt- 
effektes aller an einen anderen auf staatliche 
Kunstförderung angewiesenen Bildhauer zu ver- 
geben, so ist mit einigem Grund anzunehmen, 
dass alle Reliefs, auch die beiden angeblich minder- 
wertigen Allegorien, im Atelier des berühmten 
Lorenzo Mattielli (gest. 1748) entstanden sind. 
In Bezug auf die Balkons, deren Mittelpartie 
bereits oben besprochen worden ist, beweisen die 
beiden hier reproduzierten Abbildungen bei Fischer 
und S. Kleiner, dass dieselben schon ursprünglich 
in einer ihrer heutigen ähnlichen Gestalt geplant 
waren. Aber während bei Fischer die Baluster 
in den Balkons dieselben sind wie in der Attika, 
nähern sie sich bei Kleiner der Form, die sie 
gegenwärtig zeigen. In beiden Reproduktionen 
tritt auf oblonger Fussplatte die breite Mittelpartie 
der Brustwehr vor den stark zurückweichenden 
schmalen Seitenteilen und vor den etwas mehr 
nach vorwärts geschobenen Eckpostamenten fast 
bis an den Rand vor. Es ist, als ob man die fünf- 
fache Gliederung, auf die man bei der Fassade 
verzichtete, auf die Balkons übertragen hätte. 
Ein prägnantes Beispiel aus älterer Zeit für eine 
derartige Ausgestaltung des Balkons und seiner 
Brustwehr vermag ich vorläufig nicht nachzu- 
weisen. Etwas Ähnliches, das Hervortreten der 
runden Mittelpartie vor den Seitenteilen und Eck- 
postamenten auf oblonger Fussplatte, beziehungs- 
weise auf einem Gesirnse ist bei Andrea Pozzo zu 
finden (Perspect. II. Taf. XV), auf dessen Altar- 
kompositionen wohl auch einzelne Wiener Barock- 
Tüte mitsoprapcneaus dem"Kon_ portale mit den schräg gestellten Säulen-Posta- 
ferenzzirnmer"des Belvedere, nach menten und in konvexer Kurve vorspringenden 
S- mm" Fussplatten und Balustraden zurückzuführen sind. 
Was die Vasen betrifft, sowohl die auf den Balkons, als auch jene im 
Inneren des Palastes an der Treppe, so sehen sie in der Entwicklung zurück- 
gebliebenen Deszendenten jener grossartigen Konzeptionen „a 1a Romaine", 
die der wiederholt schon genannte Jean Le Pautre in Paris herausgegebenf 
einigermassen ähnlich. Die zierlichen Putti aber, die sich auf den Balkons mit 
den Vasen zu schaffen machen, haben in einer berühmten Schöpfung des 
grossen Meisters aus dem Jesuitenorden ihre Muster. Sie sind die 
Geschwister und nächsten Anverwandten jener zierlichen Engelein, welche 
"' Vases et burenes ä la Rcmaine invemez et gravez par j. Le Pautre „Paris" cbez Langlois.
	        

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