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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 8 und 9)

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Memoiren gar so weit, das Palais sowohl in Bezug auf das Innere als auch 
in Rücksicht auf das Äussere für das schönste zu erklären, das man sehen 
kann (zitiert bei Ilg). Nun bitten wir unsere Leser, sich an der Hand der 
zitierten alten Kupferwerke alle oben angeführten italienischen und franzö- 
sischen Paläste und vor allem den kolossalen Palazzo Odescalchi noch ein- 
mal im Bilde vorzuführen. Eine ohne Voreingenommenheit durchgeführte 
Vergleichung der Fassade in der Himmelpfortgasse mit den Stirnseiten jener 
Bauwerke wird den Ausspruch des berühmten Reisenden nur in allen 
Punkten bestätigen und das Winterpalais des edlen Ritters den gleichzeitig 
oder später entstandenen Hauptwerken des Wiener Barocks, dem Belvedere 
und der Reichskanzlei, in Bezug auf Schönheit und Grossartigkeit als voll- 
kommen ebenbürtig an die Seite stellen können. 
DIE KUNST I__M LADEN 50' CHARLES DAW- 
SONS ENTWURFE FUR DEN JAGERWOLLE- 
LADEN IN EDINBURGH SWVON P. G.KONODY- 
LONDON 50' 
S ist eine merkwürdige Erscheinung, dass 
England, die anerkannte Geburtsstätte der 
modernen Wohnungskunst, die Heimat des 
modernen Stiles in der dekorativen Kunst, in 
allem, was die Ausstattung von Verkaufslokalen 
und Läden jeder Art betrifft, weit hinter allen 
anderen Ländern zurücksteht. In Frankreich, 
in Deutschland und in den meisten Staaten 
Europas hat sich der Kleinhändler mit einem 
häufig von grossem Unverständnis begleiteten 
Enthusiasmus in den Wirbel der „Art nouveau"- 
Bewegung gestürzt und die tollsten Erfindungen exzentrischer Architekten 
und Gewerbekünstler zur äusseren und inneren Ausschmückung seines 
Lokales verwertet. Die Abwesenheit aller Versuche auf diesem Gebiete in 
England einem höheren Verständnisse für Zweckmässigkeit zuzuschreiben, 
wäre eine grobe Entstellung unanfechtbarer Tatsachen. Wenn der englische 
Kleinhändler bisher sich dem Eintritte der Kunst in seinen reizlosen Laden 
feindlich gegenübergestellt hat, so ist die Ursache dafür teils in dem 
absoluten Mangel künstlerischen Geschmackes in der betreffenden 
Gesellschaftsklasse - ein Überbleibsel des Puritanertums - teils seinem 
eingefleischten Konservativismus zuzuschreiben, der von keiner Neuerung 
hören will. „Wenn die einförmigen, zierlosen, schlecht ausgelegten Laden- 
fenster für unsere Grossväter gut genug waren, tun sie's auch für uns", ist 
sein Maxim. 

	        

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