MAK

Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 8 und 9)

So wie die leicht irisierenden, vier- 
eckigen Glasscheiben das helle Licht 
der Aussenwelt brechen und mildern, 
Trennung zugleich und Verbindung 
herstellend, so führen die Mosaikfiiesen 
der Pflasterung vor der Eingangstür 
die blauen, grünen und violetten Töne 
des Raumes in gemilderter Form nach 
aussen, ein schwaches Echo der Musik 
des Inneren, aber gerade genügend, 
um die Plötzlichkeit des Gegensatzes 
zwischen der grauen Strasse und dem 
farbenprächtigen Raume aufzuheben. 
Dawson hat in dieser ganzen schönen Arbeit keine neuen Formen 
erfunden. Er hat sich an wohlbekannte Motive gehalten, die er in ungeahnter 
Mannigfaltigkeit entwickelt hat. Seine eigene Persönlichkeit findet ihren 
Ausdruck in der merkwürdig wirkungsvollen Farbenstimmung. Wenn den 
Formen freie Erfindung mangelt, entsprechen sie doch den besten und 
schönsten Prinzipien der modernen dekorativen Kunst. Dawson hat sich mit 
wahrem Enthusiasmus an seine Aufgabe gemacht, und sein Enthusiasmus 
wirkte ansteckend auf die Kunsthandwerker, welchen die Aufgabe zuteil 
ward, die Entwürfe in das Praktische zu übersetzen. Sie alle haben sich 
Ruskins Lehre zu Herzen geführt, dass jeder einzelne Teil eines Baues - 
innen und aussen - so schön als möglich gemacht werden soll: Bestes 
Material in bester Ausführung. Und das Merkwürdige dabei ist, dass die 
Gesamtkosten des Baues und der Einrichtung sich auf bedeutend weniger 
belaufen als jene der altherkömmlichen besseren Verkaufslokale mit 
Spiegelscheiben und fabriksmässigem Mobiliar. 
Dawsons vielseitiges Talent hat sich nicht auf den Rahmen des Bildes 
beschränkt. Der junge Künstler hat sich auch mit Zeichnungen für Stoff- 
muster befasst und der Katalog derJägerwolle-Gesellschaft enthält eine ganze 
Serie höchst origineller Muster für Damenblusen und andere Kleidungsstücke. 
In der letzten Ausstellung der Arts 8: Crafts Society war von ihm ein Schlafrock 
aus Jägerwolle zu sehen, das einzige Objekt auf diesem Gebiete, das von der 
jury durchgelassen wurde. Dawson hat sich auch, wie dies bei einem Plakat- 
künstler unumgänglich notwendig ist, viel mit dem Entwurfe ornamentaler 
Buchstaben befasst. Die hier reproduzierte Affiche der Clarion Guild ofI-Iandi- 
craft-Ausstellung ist ein charakteristisches Beispiel seiner Dekorativschriften. 
Das Plakat ist mit einfachem Schwarzdruck hergestellt und in flachen Tönen 
mit permanenten Farben bemalt, und zwar ist jedes einzelne Exemplar in ver- 
schiedener Farbenstimmung gehalten, so dass es für Sammler speziell wertvoll 
ist, da es teilweise von des Künstlers eigener Hand hergestellt ist. Den Illu- 
strationen ist ferner eine Dawson'sche Leinwandbuchdecke und ein Studien- 
kopf in schwarzer Kreide beigefügt - beides typische Arbeiten des Künstlers. 
 
Porzellan von Bing ä Gmndahl, „Gute Freunde"
	        

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