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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 8 und 9)

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fünfzehnjähriger Bursche antrat und grösstenteils 
mit Routinearbeit im Bureau verbrachte. Sowohl 
während dieser sechs Mühejahre, als auch während 
der folgenden zwei Jahre, in denen er selbständig 
als Architekt und Ingenieur von Eisenkonstruktionen 
tätig war, brachten ihn wenig oder gar nicht mit 
dekorativen Aufgaben in Berührung. Was ihm aber 
trotzdem für die Zukunft von grossem Nutzen 
wurde, war die gründliche Kenntnis der architek- 
tonischen und konstruktiven Grundregeln, welche 
ihm später beim Entwerfen von Möbeln und bei 
der Innendekoration von Räumen zugute kam. 
In seinem dreiundzwanzigsten Lebensjahre 
entschloss sich Neatby, das Baufach aufzugeben 
und in die Kunsttöpferei von Leeds als Zeichner 
und keramischer Maler einzutreten, und seit dieser 
Zeit beschäftigt er sich mit Vorliebe mit den 
interessanten Problemen dekorativen keramischen 
Schmuckes. 
Von Leeds kam er nach London, wo er jahre- 
lang als Leiter der architektonischen Abteilung 
und der Abteilung für Wandschmuck in der be- 
rühmten Doulton'schen Fabrik tätig war. Hier hatte 
er reichliche Gelegenheit zu Experimenten jeglicher 
Art, bei denen ihm seine grossen technischen L _ _ 
_ _ ampenträgerin von 
Kenntnisse zunutze kamen; denn er befasste sich W,J_Nga{by 
nicht nur mit Entwürfen für dekorierte Kaminver- 
kleidungen, keramische Wandbilder und Ähnliches, sondern griff auch als 
praktischer Arbeiter ein, erfand neue Methoden, deren Wert er selbst 
beweisen konnte, ohne auf die I-Iülfe der mehr oder weniger schablonen- 
haften, mechanischen Arbeit des handwerksmässigen Töpfers angewiesen 
zu sein. Die Chemie der Farben war ihm als Studium ebenso wichtig, wie 
die Feuerungsprozesse und bald wusste er den schwierigsten Aufgaben 
gerecht zu werden. 
Im allgemeinen zieht Neatby es vor, bei Auskleidung mit glasierten 
Backsteinen die Zusammensetzungslinien scharf zu markieren, so dass die 
Bilder in regelmässige Quadrate zerschnitten werden. Dieser Art ist der 
pompöse Wandschmuck eines Kaffeehauses in Birmingham - „The King's 
Smoking Cafe" - wo auf einer mit grünen Glasurziegeln verkleideten Wand 
in mattem, pergamentartigem Email ein symmetrischer Zug von I-Ierolden 
erscheint, während oben in den Zwischenräumen in I-Ialbkreisen ein Schloss 
in dickem Impasto mit Vergoldung gemalt ist. 
Dann wieder hat er andere Methoden, wie zum Beispiel sein „Intaglio 
Parian Enamel", bei welchem er das Bild auf die ungebrannte Oberliäche 

	        

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