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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 10)

Abbildung dieses Artikels auf Seite 438 
ein charakteristisches Beispiel; die 
Formensprache erhält sich, sie über- 
dauert das Material, aus dem sie 
hervorgegangen ist, sie wird nur 
simpler, an die Stelle des klassisch 
Hochtrabenden tritt das Einfache, 
Bürgerliche. S0 bieten wie die kürz- 
lich veröffentlichten Möbel auch die 
im Hof-Mobilien-Depöt aufbewahr- 
ten Bronzen reichliche Belehrung 
und viele trefHiche Vorbilder aus 
einer kunstgeschichtlich bedeutenden 
Zeit, in welcher Österreich eine 
beachtenswerte, rühmliche Rolle mit 
reichem Talent gespielt hat. 
 
Lusker, Wiener Arbeit, Bronze, zuletzt Hofburg Wien 
KLEINE. NACH.RICH.TE{N:1SQL 
BERLINER DEKORATIVE CHRÜNIK. Wenn man auf die diesjährige 
grosse Berliner Kunstausstellung zurückblickt, so bleibt als ein nachhaltiger Eindruck, 
im Gegensatze zur Nüchternheit der früheren Darbietungen, die neue dekorative Raum- 
ausgestaltung. Zum erstenMale hatman versucht, die Säle als Schmuckrahmen für die Bilder 
zu behandeln und die Kargheit der vierWände zu überwinden. Farbenstimmung inszenierte 
manausgraublau und gold; Portale mit Säulen, Reliefs und Kranzgehängen wurden errichtet, 
Medaillons in die Wände inkrustiert; zur rechten Hand des Eingangs entstand die originelle 
Anlage eines Langschiffs mit reizvollen kleinen niedriger bedachten Seitenkojen, die intim 
geschlossene Plätze für Kleinkunst, Objets d'art, Schmuck und Gerät, Statuetten und 
 
Teil einer Schreibtischgarrxitur, Federn- 
hehälter, Wiener Arbeit, Bronze, zuletzt 
Hofburg Wien 
Architekturmodelle hergaben. Aus ihrer Flucht ent- 
wickelte sich dann die Folge der Interieurs. Sie ist 
diesmal viel grösser an Zahl als in früheren Ausstel- 
lungen. Es sind - das ist für den Beobachter inter- 
essant - weniger die Arbeiten einzelner künstlerischer 
Persönlichkeiten, es sind mehr Kollektivkompositionen, 
die von grossen Firmen veranstaltet wurden, sie zeigen 
die Verallgemeinerung und Popularisierung moderner 
Ideen. 
Freilich geben sie der Kritik viel zu tun. Es kommt 
nichts sehr Anregendes heraus und manches „Gegen- 
beispiel" ist warnend festzunageln. 
Dass nach den allzu puristischen Einfachheits- 
tendenzen sich wieder der Wunsch nach geschmück- 
terer, von wärmerem Luxus erfüllter Umgebung regt, 
ist sehr berechtigt und eine ganz natürliche Fort- 
schrittsetappe. Nur wird hier leider der Luxus nicht in 
der Ausbildung eines vollendeten Komforts, in der 
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