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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 10)

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Eine ausgeglichene Stimmung hat das Badezimmer der „Neuen Gruppe". Kostbares 
Material ist hier mit Sicherheit und Ruhe zu einem einheitlichen Ensemble komponiertworden. 
Marmor von aparten Strukturen, sorg- 
sam nach der Koloristik ausgesucht, bekleidet 
die Wände; in die Rückwand ist über der 
vertieft liegenden Wanne ein Relief ein- 
gelassen, Nischen mit hängenden Piianzen 
ilankieren es; farbig glühend wölbt sich eine 
Oberlichtkuppel, Opalschalen bergen die 
elektrische Beleuchtung, ein römisches Sofa 
und ein Sessel mit vergoldeten Füssen bilden 
das Mobiliar. 
Es ist keine moderne Stimmung, nicht 
das Bild englischer Hygiene-Ästhetik mit 
Kacheln, Matten, Messing, Korbfauteuils, 
sondern eher eine Alma Tadema'sche Il- 
lusion, eine antikisierende Elegie. Fast 
scheint es mehr zum Träumen nach dem 
Bade gedacht, als zum modernen Training 
derWassei-toilette; aber der Stil, dasThema, 
das der Komponist sich wählte, sind voll- 
ständig getroffen. Und diese Stilsicherheit 
fällt in der undisziplinierten Umgebung sehr 
angenehm auf. 
Sympathisch bescheiden tritt ein junges 
Unternehmen auf, das aus ganz kleinen 
Anfängen heraus sich einen ernsthafteren 
Platz zu erringen beginnt, die „Steglitzer 
Werkstätten". Mit Druckversuchen fingen sie 
an, heute haben sie eine grosse Druckerei, 
eine Klasse für Buchbindekunst, sie stellen 
Möbel, Stickereien, Applikationen her. Ge- 
sunde Einfachheitstendenzen, ohne falsches I-"SMW Wien" Albßiß 3'011" und G115. 1018m 
Schielen nach Aufputz um jeden Preis, eine Hofburg Wim 
weise Selbstbeschränkung zeichnen sie aus. 
Und diese Eigenschaften gelten auch von ihrem Ausstellungsinterieur, wenn auch seine 
Formen nicht sehr persönlich sind und auch die Ausbildung der Einzelteile, der Beschläge 
zum Beispiel, liebevoller hätte sein können. 
Ein Satyrspiel zum Schluss dieser Revue: der Empfangsraum des Architekten 
Biberfeld. 
Dieser dekorative Sensationsdramatiker hat auch diesmal nach Verblüffungserfolgen 
gestrebt und es ist ihm gelungen, seine Unmöglichkeiten früherer Jahre noch zu über- 
trumpfen. Er hat diesmal seine Möbel versilbert, sie blinken in einem hässlichen Staniol- 
Ton. Attrappen gleichen sie. Aus Pappe scheint die monströse versilberte Sphinx, die 
die Tischplatte trägt, und pappen wirken auch die Putten, die ein unsicheres Kletter- 
spiel an den Schränken üben. Als Beleuchtungsguirlanden hängen von den Ecken aus 
eisernen Rachenöffnungen schwere Ketten, an Kerkerfesseln gemahnend, und ihre 
mächtigen Ankerglieder benützt der Proportionskünstler, um winzige Glühbirnen tragen 
zu lassen. 
Dieser gefährliche Neuerer mit seinen Zerrbildern ist nur zu geeignet, Neues über- 
haupt zu diskreditieren und lächerlich zu machen. Die Emsthafteren in der modernen 
Bewegung sollten ihn sich vom Halse halten. Felix Poppenberg 
57"
	        

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