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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 10)

ihnen wurzelt. Soll der kleine Mann etwa 
der Ästhetik zuliebe alles das entbehren, 
obwohl es ihm das liebste ist? Das wird er 
nie und das soll er auch nicht. Die Kunst 
soll aus der Stimmung, aus dem Gefühl 
heraus geboren werden, ein solches Van de 
Velde-Zimmer sagt aber dem einfachen 
Manne nichts, rein gar nichts. Solange 
der wohlhabende Mittelstand noch in Ge- 
schmacklosigkeit förmlich untergeht, so 
dass ihm alle diese Dinge, die doch nur 
vorn Geschmacke des Mittelstandes beein- 
Husst werden, in ästhetisch minderwertigen 
Formen geboten werden, ist an eine Reform 
im Kleinbürgertum nicht zu denken, denn 
der Mittelstand ist das Vorbild für den 
Kleinbürger. - Die Kultur bewegt sich von 
oben nach unten. Dieser Prozess mag sich 
heute rascher vollziehen als in früheren 
Zeiten, aber umgekehrt vollzieht er sich 
nicht. Deshalb scheint uns eine Erörterung, 
wie sie hier geführt wird, verfrüht. In den 
unteren Sphären der Gesellschaft ist gegen- 
wärtig die soziale Frage das Entscheidende, 
das scheint der Verfasser, wie aus ver- 
schiedenen Stellen hervorgeht, auch deutlich 
zu fühlen. Wenn er aber meint, dass zuerst 
die ästhetischen und dann erst die öko- 
nomischen Fragen im Volke entschieden 
werden sollen, so wird er wohl Wenige 
finden, die ihm hierin beipHichten. Fs. 
Uhr, Wiener Arbeit, Mahagoni mit vergoldeten Holz- 
Skulpturen und Bronzen, zuletzt Salzburg 
LUGSCHRIFTEN DES SCHLESISCHEN MUSEUMS FÜR 
KÜNSTGEVVERBE UND ALTERTÜMER. Flugschriften haben stets 
den Charakter des impulsiven und Agitatorischen. Sie stehen nicht, wie dies bei Aufsätzen 
in Fachzeitschriften häufig der Fall ist, unter dem Zwange äusserer Notwendigkeiten, sie 
verdanken ihr Entstehen einem inneren Drange, dem Expansivbedürfnisse lebendiger 
Gedanken, die an den Tag und an den Ort gebunden sind, der sie geboren hat. Das 
Programmlose, aus dem Bedürfnisse der Stunde Entstehende ist ihr Lebenselement. 
Nicht dass die Gedanken neu seien, ist das Wichtigste, sondern dass das rechte Wort am 
rechten Ort und zur rechten Stunde gesprochen wurde. Die moderne Richtung in der 
Kunst hat ein einigendes Band um alle jene geschlungen, die mit echtem Kunstbedürfnis 
ein volles Gegenwartsleben verbinden. Sie verstehen sich ohne viel Worte und durch- 
schauen einander, ohne sichje gesehen zu haben. So zündet ein Gedanke, der diesem Kreise 
entsprungen ist, gleichzeitig an den verschiedensten Orten, und wer den Beruf dazu fühlt, 
passt ihn den lokalen Bedürfnissen und Verhältnissen an und trachtet ihn in seinem 
Kreise zu popularisieren. Dieses Ziel verfolgen auch die vom Breslauer Kunstgewerbe- 
museum herausgegebenen Flugschriften, in deren erstem Heft Direktor Masner über 
häusliche Kunstpflege spricht. Es ist zu wünschen, dass die folgenden Hefte, die sich mit 
der Grosstadtwohnung, mit der Denkmalskunst, mit der Blumenpflege u. s. w. befassen 
sollen, mit derselben Klarheit des Gedankens, derselben agitatorischen Kraft und derselben 
Einsicht und Sachkenntnis abgefasst sein mögen wie das vorliegende. Fs.
	        

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