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Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 11)

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der Einsteckkämme anbrachte. 
Von zartem Goldgeäder durch- 
zogen schimmerten die trans- 
parenten Glasflüsse, ver- 
schwimmenden Wolkenbildern, 
Waldlandschaften in Dämmer- 
licht gleich. Sie erschienen in 
ihrer Mischung aus Metallinien 
und Schmelzfüllung wie delikate 
Miniaturausgaben Tiffanyscher 
Opaleszenzfenster. 
Transluzides Email findet 
sich auch unter den Arbeiten 
dieser Ausstellung. Blätter bildet 
Lalique gerne mit ihm nach. Das 
Netzwerk der Blattrippen wird 
durch Goldgespinnst dargestellt, 
in das sich der leuchtende Fluss 
ergiesst. 
Daneben aber tritt diesmal 
das opake Email auf. Und Lalique 
hat es verstanden, die an sich 
etwas tote Masse dieses undurch- 
 
_ _ _ _ Aus den Salzburger Fachkursen xgog, Entwurf für ein Schreib- 
sichtigen gleichsam versteinerten zimmer von Q Moser 
und erstarrten StoEes wunderbar 
zu beleben und zu nuancieren. Er 
entwickelt eine Überfangstechnik in Email. Er giesst mehrere verschiedenfarbige Flüsse 
übereinander und arbeitet dann aus der Doppelschicht Wirkungen heraus in besonderer 
Übergangstönung und zu der koloristischen kommt noch eine Flächenbehandlung mit 
Aufrauhung, Kerbung, Maserung, wie es der jeweilige Charakter des Motivs verlangt. 
Beispiele illustrieren das deutlicher. Die Verbindungsglieder eines Brasseletts sind 
grün emailliert, aber keine monotone Füllung bieten sie, sie sind rauh bearbeitet, an 
manchen Stellen ist der matte Goldgrund leicht angedeutet, herausgeschabt. Dies wellige 
Grün-Goldige erinnert an die moosige Padna verwitterter Steine, auf der die Sonne 
spielt. 
Ein Uhrgehäuse hat als Deckelschmuck emaillierte Blumenglocken, über ihr 
Gezweig kriecht ein Käfer. Seine Flügeldecken sind tiefbraun, sie schattieren sich heller 
werdend zum Rande ab und zu dieser Emailabtönung gesellt sich die unendlich diskrete 
Flächenbehandlung. Kaum sichtbar ist sie, fährt man aber mit dem Finger darüber, so 
fühlt man die rippige Narbung, die dem natürlichen Vorbilde der hornigen Flügelschalen 
liebevoll nachempfunden ward. 
Vor allem gelungen ist die malerische und skulpturale Kleinkunst im opaken Email 
an einem anderen Uhrgehäuse. Es ist verwandt jener vollendeten Uhr aus der Pariser 
Vitrine mit dem unterlegten Filigrandurchbruch des Deckels. Auch diese zeigt durch- 
brochene Arbeit. Aber sie ist robuster. Aus Zweigmotiven, unregelmässig verschlungen, 
64'
	        

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