MAK

Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 1)

IE Besucher der Ausstellung haben kaum eine rich- 
tige Vorstellung von der Unsumme von Arbeit, 
die in einer solchen Exposition ruht, von den 
Opfern, welche die Industriellen und Gewerbe- 
treibenden, nicht dem Museum, sondern ihrer 
eigenen Stellung zuliebe, alljährlich bringen. 
Immer will das Publikum und wohl auch die 
Kritik Fortschritte sehen und es wird nicht 
bedacht, dass wohl im Geschmack, kaum mehr 
aber im Technischen Fortschritte zu erwarten 
sind und dass das, was man gewöhnlich so 
nennt, Sensationen, Kampfobjekte sind, auf die alle Ernsten gerne verzichten. 
Die strenge Zucht, welche unsere Gewerbe in den letzten Dezennien durch- 
gemacht haben, die ausserordentliche Anspannung aller Kräfte, die neue 
gesunde, auf Natur und geläuterten Geschmack gestellte Richtung, die sich 
in unseren Schulen durchgesetzt hat, tragen nun Früchte und wenn auch 
noch nicht alle ausgereift sind, so ist doch gute Ernte zu erwarten. 
Die Zahl der zur Ausstellung gebrachten Interieurs ist bei weitem 
grösser als im vorigen Jahre, 24 gegen x5, und es ist wohl die allgemeine 
Stimmung, dass das Extravagante 
diesmal wohltuend zurückgetre- 
ten ist. Die Zeit der grellen und 
oft groben Effekthascherei ist 
vorüber, das Moderne wird zu- 
meist nicht mehr in Übertrei- 
bungen der Formen und Farben, 
im Ungewöhnlichen und Auf- 
fallenden gesucht, auch Prunk 
und Pracht tritt zurück, und man 
trägt mehr dem Umstande 
Rechnung, dass es gilt, dem 
wohlhabenden Bürgertum, nicht 
iden wenigen auserwählten 
Millionären zu zeigen, wie sie 
sich einrichten sollen. Man will 
wieder lehren und lernen, was 
Wohnungsbehaglichkeit sei, und 
darauf geht heute unser Aller 
Streben, es gehört zum Wesen 
der modernen Kunst, Räume zu 
 
 
Schreibtischfauteuil, Kirschholz, von A. Pasternak und 
M. Geiringer
	        

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