MAK

Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 2)

In den letzten Jahrzehnten war es der verstorbene Direktor der Kunst- 
gewerbeschule des Österreichischen Museums, Hofrat von Storck, der mit 
einem Stabe von tüchtigen Mitarbeitern in der tatkräftigsten Weise für diese 
Schulen wirkte und dieselben auf eine hohe Stufe künstlerischer Leistungs- 
fähigkeit gebracht hat. Alle Bestrebungen der Regierung in der letztbezeich- 
neten Periode zielten auf die Ausbildung tüchtiger Arbeiterinnen ab und die 
Ergebnisse nach dieser Richtung hin waren gewiss zufriedenstellend. 
Anders steht es mit der wirtschaftlichen Seite der Frage. Die Spitzen- 
industriegebiete weisen in manchen ihrer Teile ein Elend unter der Arbeiter- 
bevölkerung auf, welches das Weberelend des Waldviertels und anderer 
Gegenden unserer Heimat bei weitem übertrifft. Die Löhne sind für einzelne 
Spitzengattungen derart karg bemessen, dass sie nicht für die Deckung der 
allerbescheidensten Bedürfnisse hinreichen und hunderte von Familien zu 
einem Dasein verurteilen, das als menschenunwürdig zu bezeichnen ist. Da 
finden sich in manchen Spitzendistrikten Heimstätten, in denen zwei bis drei 
Familien in einem Zimmer zusammengepfercht leben und bei zwölf- 
stündiger Arbeitszeit nur genug verdienen, um sich Jahr aus Jahr ein von 
Kartoffeln und Kaffeesurrogat zu ernähren. Mit einem Lohne von 50 bis 60 
Heller per Tag für Erwachsene - Mann oder Weib - und der Hälfte 
für Kinder, in Gegenden, in denen Kartoffeln nicht mehr gedeihen, lebt 
diese Bevölkerung ein Dasein voll der furchtbarsten Entbehrungen - 
ohne Groll gegen das Schicksal, ohne Murren gegen den Staat und die 
Gesellschaft. 
Kann nun diesen Tausenden von hungernden und frierenden Existenzen 
Hilfe gebracht werden? . . . Ich meine ja und ich fusse meine Hoffnung auf 
das, was ich über irländische Verhältnisse gelesen, was ich in England von 
irländischen Verhältnissen vernommen. 
Auch in Irland waren es die Ärmsten der Armen, die durch die Spitzen- 
arbeit ihr mageres Dasein fristeten - auch dort hat die Regierung durch die 
Errichtung und Unterstützung von Spitzenschulen manchen Erfolg ver- 
zeichnet. Ein wahrer Aufschwung dieser Industrie, eine wirkliche Linderung 
des Elendes in den spitzenproduzierenden Gegenden aber hat man erst seit 
der Zeit zu verzeichnen, die mit der Gründung eines grossen Vereines zur 
Hebung der Spitzenindustrie in Irland zusammenfällt. 
Das Jahr der grossen Hungersnot in Irland 1850 war es, in dem die 
Frauen aus der ersten Gesellschaft Irlands sich mit der Geistlichkeit und den 
Frauen der Lehrerschaft zusammentaten und auf dem Wege der Vereins- 
tätigkeit eine Reihe von Hausindustrien schufen und förderten, die sich auch 
heute noch im Lande als segenbringend erweisen. Als die bedeutsamste 
dieser Vereinigungen gilt die Irish Industries Association, die von der Frau 
des ehemaligen Vizekönigs von Irland, Countess of Aberdeen, gegründet 
und von ihr und den beiden Vizepräsidentinnen Countess of Cadogan und 
Countess of Majo geleitet wird und eine äusserst erspriessliche Tätigkeit 
entfaltet.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.