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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 3 und 4)

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behandelt, der längst seine Freunde hat. 
Schrams „Simson und Delila" ist ein 
mit Verve hingefegtes Stück Gross- 
malerei, wie eine Turnübung des sonst 
auf Delikatesse eingeübten Pinsels. 
Kinzels „Schmiede" und „Dorfgasse" 
zeigen neue malerische Fortschritte 
dieses rastlos strebenden Künstlers. 
Temples grosse Szene: „Nach dem 
Duell" (Schauplatz das Gatterhölzl bei 
Schönbrunn) gibt den hellblauen Früh- 
lingsmorgen im dünnstämmigen Wäld- 
chen sehr echt in Licht und Luft, und 
in scharfem Gegensatz dazu den tragi- 
schen Duellapparat. Viktor Scharf-T 
(Paris) zeigt eine alte Bretonin in ihrer 
Stube, ganz vortrefHich in der leisen 
Harmonie einer tieftonigen Farbe. Da- 
gegen ist Adalbert von Kossak, in 
seinem „Frühling r8x3", draufgänge- 
risch wie immer, hat aber doch dies- 
mal einen intimen Stimmungsmoment. 
Kosaken reiten über das Schlachtfeld 
von Borodino und bekreuzen sich vor 
der Leiche eines französischen Küras- 
siers. Isidor Kaufmanns „Tempel- 
vater" zeigt die bekannte minutiöse 
Durchbildung seiner israelitischen 
Genrebilder. Larwin hat mit seinen 
„Frierenden Schulbuben" einen Haupt- 
schlag getan. StachiewiciGrisaillen aus 
dem Atelier, Kochs Ulanen, Streckers 
lebendiger „Kirtag in der Wachau", 
einiges von Zewy, Hessl, Egger-Lienz, E. Lohwag, Mauch, Kepf u. a. zeigen die ganze 
Linie an der Arbeit. 
In der Landschaft möchte zunächst Tomec („Mondaufgang", „Parkidylle") zu 
rühmen sein, wegen der prächtigen Tiefe seiner dunklen Töne, namentlich des goldigen 
Braun und seiner wachsenden Beherrschung der Atmosphäre. Zoffs „Boschetto am Meere", 
Schaeiiers Partien bei Hütteldorf, die Bilder von Darnaut, Russ, Geller, Charlemont, 
Adolf Kaufmann u. a. werden bemerkt. In der grossen Plastik sei zunächst Zinslers inter- 
essante Pieta anerkannt; dieser Künstler wäre eines grösseren Auftrages würdig. Er und 
der Czeche Bilek sind spezifische Kalvarientalente, die man nützen sollte. Gute Büsten 
sind von Stephan Schwartz (Domherr Johann Raider), Lewandowski, Kaan vorhanden, 
eine gute Porträtstatuette (Herr Wittgenstein) von Wollek, dessen grosse Gruppe „Erz- 
brecher" gleichfalls Eindruck macht. Viel Reiz ist über den Medaillen und Plaketten von 
Stephan Schwartz, Pawlik, Schäfer und Hujer verbreitet. Zelezny und Charlemont melden 
sich noch. Das Ausland ist gleichfalls reichlich vertreten, namentlich in Landschaft (Claren- 
bach, Feddersen, Küstner, einige Italiener, der bijcklinierende Frobenius, Piepho), Genre 
(Lavery, Bouvet, Kampf, Luyten, Edelfelt, Studienreihe Janssens) und Plastik (Viktor 
Rousseau, v. Bochmann, E. Rossi, die treffliche Büstengruppe des in Österreich geborenen 
Hausmann). Grossen Genuss bieten endlich auch die Pariser Graphiker, die farbigen 
Lithographen insbesondere. Jean Veber mit seinen fulminantesten Blättern (auch 
 
Harry Napper, „Heckenrose und Beere", Tapete 
(Rottmann ä K0.) 
22'
	        

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