MAK

Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 3 und 4)

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die „Ringerinnen"), Lunois, die 
schneidigen Radierungen Cha- 
hines und die höchst gediegenen 
Leperes, dieWitzblattbilder Heile- 
manns u. s. f. Ein Wiener, Kar- 
pellus, tut sich im phantastischen 
Plakat hervor. Wir konnten nur 
einen ganz rapiden Überblick 
geben, um wenigstens dieVielheit 
der Erscheinungen anzudeuten. 
QUARELLAUSSTEL- 
ALÜNG. In einer interessan- 
ten Ausstellung des Aquarellisten- 
klubs standen diesmal dieRaffaelli- 
farben sehr im Vordergrunde. 
Viele unserer Maler experimen- 
tieren jetzt mit ihnen, forschen 
ihren Tugenden und Untugenden 
nach. Neulich erst sahen wir im 
Atelier Johann Viktor Kraemers 
seine wohligen Corfuer Bilder aus 
dem vorigen Sommer. Er arbeitete 
mit Raffaellifarben auch bei 
Sonnenstichtemperatur und fand 
sie in der Wärme zu bröcklig, da- 
her ärgerlich zu handhaben. Bei 
Miethke aber sah man Raffaelli 
selbst und andere Pariser, eine 
ganze Schar, an der Arbeit. Da 
Harry Napper, "Gotischer Baum", Wollstoff (Geo. P. a J. Baker) zeigte ES SiCh, dass doch die mehr 
skizzierende, sprenkelnde Arbeits- 
weise des Erfinders dieser Mal- 
zeichnerei am besten zusagt. Selbst an einer lebensgrossen Damenligur, in allerlei tonigen 
I-lelligkeiten, die dem neuen Stift sehr zusagen, war doch das krause Chrysanthemen- 
muster des Kleidstoffes und das struppige Fell eines Hündchens das Materialmässigste. 
Der Künstler hat sich eben ein seiner Weise gemässes Arbeitsmittel schaffen wollen. 
Weniger glücklich sahen die Versuche in ausgiebigem Ternpera- oder Ölstil aus. Die 
grossen insbesondere. Das schliesst freilich nicht aus, dass der rechte Mann auch für 
solche Bilder noch kommen kann. Jedenfalls ist es verführerisch, so pastellmässig malen zu 
können, ohne mit einer Schichte abgefallenen Pastellstaubs am unteren Bildrande in der 
Ausstellung anzulangen. Und dann wieder, ölmässig auszusehen, ohne ölig zu sein und 
durch feuchte Unannehmlichkeiten die Arbeit zu behelligen. Mehrere Wiener haben schon 
früher bemerkenswerte Versuche gemacht. So Ludwig Michalek, in einer Ausstellung bei 
Artaria. Jetzt ist Hugo Charlemont am weitesten vorgegangen und hat sehr gefallen. Ein 
sehr ornamentales Stilleben mit Weinlaub und bunten Kürbissen, ein Ausblick auf das 
Bozener Gebirge mit einer Veranda voll bunter Blumen und einem hübschen Mädchen im 
Vordergrunde, dann eine Ansicht des nebelumzogenen Schlerngipfels, auch eine Wein- 
laube in Südtirol u. s. f. waren von kräftiger Farbigkeit und ein vollgültiges Zeugnis für die 
neuen Farben. Bei anderen (Darnaut, Mielich, Zetsche, Larwin, Bernt) zeigte sich, dass 
die persönliche Gefühlsweise der Einzelnen sich bei diesem Arbeiten nicht verwischt. 
jedes Bild sah seinem Urheber durchaus ähnlich. Abseits dieser neuen Sphäre konnte man
	        

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