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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 3 und 4)

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Harry Napper, Seidenstoff mit Chenille-Umrissen (Alex. 
Monon 81 K0.) 
Freskantennatur, die für Wände 
denkt und architektonische Rah- 
men vollphantasiert. Das führt ihn 
auch wieder zum Stil, das heisst 
zum einfachsten und kräftigsten 
Ausdruck des Empfundenen, wo 
bei alles durch und durch bedeut- 
sam wird. Und diese Bedeutsam- 
keit ist wieder von moderner Art. 
Die Allegorie wird, zu allgemeiner 
Überraschung, wieder möglich. 
Weil sie bei ihm nicht Gedanken. 
sondern Gefühle ausdrückt; nicht 
begrifilich, sondern stimmungs- 
mässig wird; ihren Sinn nicht 
durch die Zeichensprache abge- 
droschener Attribute, sondern 
unmittelbar durch die selbstver- 
ständliche Beredsamkeit der For- 
men und Rhythmen ausdrückt. 
Diese Rhythmen wieder sind in 
ihren Parallelismen und syste- 
matischen Einteilungen (Fünf- 
teilungen zum Beispiel) ganz 
architekturgemäss, und so schliesst sich der Kreis, den sein künstlerischer Gedankengang 
durchläuft. In diesem Sinne ist denn auch bei ihm das Historienbild, an dem wir nachgerade 
schon verzweifeln wollten, wieder möglich geworden („Schlacht bei Marignano", Züricher 
Museum, „Wilhelm Tell"). Es war 
wieder vorhanden, sobald es den monu- 
mentalen und ornamentalen Stil wieder 
gefunden hatte, der seit Alfred Rethel 
(Aachen, Kaisersaal) verloren gegangen 
war. Was seither an historischen Wand- 
bildern gemalt worden, war alles im 
Grunde Staffeleibild, voll täuschender 
Nachahmung der Wirklichkeit und ge- 
zuckerter Ölfarbigkeit. An diesem inneren 
Widerspruch musste es ebensoscheitern, 
wie die Geschichtschreibung zugrunde 
gehen würde, wenn sie sich auf 
Eberssche Romane Würfe. So war 
Hodlers Erscheinen in Wien von grösster 
Wichtigkeit für dieWiedererziehung des 
Publikums zu echter Kunst. Ganz neu 
war hier der Holländer Thorn Prikker, 
ein Blutsverwandter Toorops. Auch er 
hat eine ornamentale Vision von der 
Welt. Er malt zum Beispiel grosse Aqua- 
rellstudien nach Rotkohl, bei denen von 
diesem Gemüse nichts übrig bleibt, als 
ein prächtigerWirbel von Farben, die in 
Rotkohl vorkommen. Oder ein „Ufer- 
 
Harry Napper, SeidenstoH (Alex. Morton R K0.)
	        

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