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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 5)

Bonnencontre ist 42 Jahre alt. Er ist in der Bourgogne geboren. Seine 
Erziehung war zuerst alles, nur nicht künstlerisch, da er in der Schule für 
Brücken- und Strassenbau in Dijon studierte, wobei ihm nur wenig Zeit blieb, 
sich im Abendunterrichte der Kunstschule derselben Stadt auch mit dem 
Schönen zu befassen. Nach und nach wurden die trockenen mathematischen 
und praktischen Studien abgeworfen und er kam im Jahre 1881 nach Paris, 
wo er in die Ecole des Beaux-Arts eintrat und dort bis 1884 verblieb. 
Geröme, der unermüdliche Arbeiter, der sorgfältige und gewissenhafte Lehrer 
der Zeichnung, als Maler und Bildhauer in gleicher Weise beachtenswert, 
war hier sein Meister und von diesem lernte Bonnencontre die Genauigkeit 
der Zeichnung, die bis zum äussersten geführte Liebe zum Detail, was 
übrigens der Breite seiner beachtenswerten Kompositionen „keinen Schaden 
brachte. Von Geröme lernte er auch die Achtung vor der Form und dem 
Gleichgewichte des Ganzen, das in Jean Francois Millet so sehr verkörpert 
ist, dessen „Angelus" ohne Zweifel hiedurch zu einem der ersten Meister- 
werke der französischen Kunst wurde. 
Die grossen Eigenschaften von Bonnencontres Kunst sind aus den 
diesen Artikel begleitenden Reproduktionen seiner Malereien auf Leinwand 
leichtlich zu ersehen und zu würdigen, wenngleich solcher Kunst die volle 
Gerechtigkeit nur dann werden kann, wenn man die ganze Skala und die 
Verschiedenheit seiner Farbenstimmung, sowie die Harmonie ihrer Zusam- 
menstellung vor Augen hat. 
Bonnencontres Werke sind nicht besonders zahlreich, und zwar aus 
doppeltem Grunde: erstens weil die meisten seiner Bilder eine sehr grosse 
Ausdehnung besitzen, so dass die darauf verwendete Arbeit sehr beträcht- 
lich ist und die Ausgaben für Blumen, selbst in Paris, der Hauptstadt der 
Kunst und der Blumen, viel grösser sind als man sich vorstellen mag; 
zweitens weil es nur einige wenige Käufer für grössere dekorative Paneele 
gibt, da gerade die modernen Börsen- und Eisenbahn-Grössen wohl gewaltige 
Häuser bauen, aber gar nicht darauf erpicht sind, diese so künstlerisch als 
möglich ausstatten zu lassen. 
Im Jahre 1896 stellte Bonnencontre zum ersten Male im Salon sein 
„Grashüpfers Bett" aus. Das nächste Jahr sendete er zur Ausstellung nach 
dem Champ de Mars sein leicht archaistisches Paneel: „Der Herbst nimmt 
dem Sommer seinen grünen Mantel", wodurch angeregt wurde, dass das 
Ackerbauministerium eine grosse Leinwand bestellte. Dieser folgte der 
„Sommerabend" und ein bedeutendes dekoratives Werk in der „Salle des 
Fetes" der letzten Pariser internationalen Ausstellung; im Jahre 1892 ward 
der „Sommer als Blumenverschwender" gemalt. 
Bonnencontre ist weiters ein grosser Meister in der Ausführung der köst- 
lichsten Rötelzeichnungen, bei denen er alle seine Eigenschaften als ausser- 
gewöhnlicher Zeichner, der er zweifellos ist, entfaltet, zugleich mit dem Reiz 
und dem Geschmack der französischen Meister des XVIII. Jahrhunderts. 
Ausserdem ist er in seiner Malschule für junge Damen tätig und zeichnet auch
	        

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