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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 6)

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Zu den namentlich auf die Wirkung 
des Reliefgoldes sich gründenden Ver- 
zierungsarten treten noch solche hinzu, 
die auf der Reichhaltigkeit der Palette 
der Wiener Fabrik begründet sind. Zu- 
nächst werden dieselben Ranken, Blüten- 
zweige, Ziervasen und Medaillons, die 
wir im Reliefgolddekor finden, auch in 
bunten Farben ausgeführt, und zwar 
dient dieser Buntfarbigkeit entweder das 
weisse Porzellan oder ein farbiger, meist 
dunkelgehaltener Fond als Hintergrund. 
Bescheidenere, wenngleich sehr 
feine Wirkungen werden auch durch 
einen weissen Dekor in der geschilderten 
Art auf farbigem Grunde erzielt, Wobgi Katfeeobenasse 111i!lülLÜSltIgIUhd,bl1hlbCm6lK 
dieser weisse Dekor in der Regel grau "ndvwold" (K"'1"gN"97") 
abschattiert ist; 
Besonderes Interesse gewinnen die farbigen ornamentalen Gebilde in 
jenen Fällen, wo sie sich von den klassischen Motiven so weit entfernen, 
dass kaum mehr ein Zusammenhang mit ihnen festgestellt werden kann. In 
dieser Ornamentierungskunst kann schon sehr früh, das heisst bereits zu 
Anfang der Neunzigerjahre, ein Hinneigen zum Biedermeierstil beobachtet 
werden. 
Es ist offenbar dieselbe Erscheinung, die ich bereits an anderer Stelle 
im Wiener Kunstgewerbe nachzuweisen in der Lage war," nämlich die, dass 
schon vor der französischen Revolution unter dem Einflusse Englands ein 
Stil entsteht, der von historischen Reminiszenzen absieht und sich mit der 
künstlerischen Durchbildung solcher Motive befasst, die aus der Zeit selbst 
hervorgehen. 
Beim Porzellan ist es natürlich kein englischer EinHuss, wie bei den 
Möbeln, sondern es ist vielmehr reiner Wiener Geschmack jener Zeit, der 
nach neuem Ausdruck ringt. Wir finden einen natürlichen, selten fehl 
greifenden Farbensinn und eine Schlichtheit und Selbstverständlichkeit, 
deren künstlerische Bedeutung wir heutzutage ganz besonders zu schätzen 
wissen. Was in dieser Hinsicht geleistet wurde, deckt sich manch- 
mal direkt mit den Tendenzen der modernen Kunst. Wir finden Streifen- 
und Rautenmusterungen, blatt- und herzförmige Ornamentierungsschemata, 
allerlei Gezacktes, Gezahntes, Gewürfeltes, Gebändertes, in Schrauben- und 
Wellenlinien Verziertes. Namentlich in jenen Fällen, wo es sich um grosse, 
aus zahlreichen Stücken bestehende Tafelservice handelt, bewundern wir 
die Ruhe und Harmonie dieser Verzierungsweise, bei der es nicht auf die 
 
' Innenräume und Hausrat des Empire- und Biedermeierstiles in Österreich-Ungarn.
	        

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