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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 7 und 8)

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DIE KUNSTAUSSTELLUNGEN IN NEW- 
YORK IN DER SAISON 190349043 Sie VON 
KLARA RUGE SI- 
IT dem Ausschlagen der Bäume, dem Beginne der 
Blütezeit in der Natur, erstirbt in unserem heissen 
amerikanischen Klima der Blütensegen auf dem 
Kunstgebiet. Nur St. Louis macht natürlich dieses 
Jahr eine Ausnahme. Aber hier in New-York W 
und auch in den andern Städten der Union i 
kommen vom April an die Einladungen zu Kunst- 
ausstellungen dem Kritiker immer weniger häufig 
auf den Schreibtisch geflogen. Gegen Ende Mai 
verirrt sich nur noch selten eine unter die 
täglichen Briefschaften. Bis Ende März wird 
aber das Dutzend gar oft voll in einer Woche. 
Hiermit ist die Eigenart unseres Ausstellungswesens charakterisiert: 
Unsere Saison drängt sich auf einen kurzen Zeitabschnitt zusammen und 
während desselben gibt es eine solche Fülle von Ausstellungen, dass sowohl 
der Berufskritiker als der freiwillige Kritiker aus dem Publikum kaum 
nachzukommen vermag. 
Aber vollständig ermangeln wir in New-York noch eines grossen Aus- 
stellungslokales. Wir vermöchten keine Ausstellung von den Dimensionen 
eines Pariser Salons, einer deutschländischen oder österreichischen Kunst- 
ausstellung unterzubringen. Mehr denn 400 Bilder können selbst in den 
Räumen unseres „Fine Arts Building" - dem grössten Ausstellungslokal 
New-Yorks - kaum gleichzeitig plaziert werden. 
Eine völlige Zersplitterung des Ausstellungswesens ist daher ganz un- 
vermeidlich. Ein Totalbild amerikanischer Kunst und amerikanischen Kunst- 
gewerbes inmitten unserer Stadt herzustellen ist heute unmöglich. 
Dieses Jahr bekamen wir bruchstückweise schon eine ganze Menge 
der für die St. Louiser Weltausstellung bestimmten Kunstwerke zu sehen. 
Der Reigen der Ausstellungen der Künstlervereinigungen ward letzten Winter, 
wie alljährlich Ende November mit der Ausstellung des „New-Yorker Water- 
Color-Club" eröffnet. 
Dieser stand ehedem gewaltig unter dem Zeichen des Impressionismus, 
ja der Klub ist eigentlich gegründet worden, um in Wasserfarben dem Im- 
pressionismus zu fröhnen. Nun hat aber der Impressionismus in New-York 
nur noch eine sehr kleine Anhängerschaft und der „Water-Color-Club" ist 
seinem ursprünglichen Programm ziemlich untreu geworden. Dieses Jahr 
fanden sich sehr dilettantische Arbeiten und sonst fast nur Skizzen für 
Illustrationszwecke, besonders Umschläge für Zeitschriften vor. Das HäuHein 
 
1' Die diesjährigen Ausstellungen waren zum Teil Vorausstellungen der amerikanischen Kunstabteilung 
auf der Weltausstellung in St. Louis. 
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