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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 7 und 8)

beziehen sich auf die erst nach Jahren von Erfolg gekrönte Auflehnung des 
Mittels gegen diese Massnahmen und ihren Urheber, den wahrscheinlich 
aus dem Kreise der Gold- und Silber- 
schmiede hervorgegangenen ver- 
hassten Lutzenberger. Triumphierend 
merkt der Vorsteher Springer 1790 im 
Verzeichnisse der Vorsteher, Schätz- 
undZeichenmeister an, dass er das Pun- 
zierungsamt unter Leitung des Lutzen- 
berger „wirklich auseinandergetrenf, 
habe ; mit dem Punzierungsgesetz Leo- 
pold II. vom IÖ. November 1790 wur- 
de die Lutzenbergersche Schöpfung 
aufgehoben und die Punzierung an das 
Münzamt übertragen, die Taxe auf die 
Hälfte herabgesetzt, die Schätzung 
wieder einem jeden Genossenschafter 
Vase, X816, von F. Köll oder F. Krauss anvertraut 
Die Bruderschaftsordnung von 
1722 erlässt der,,kayserlicheMünzmeister"Mittermayr von Waffenberg; schon 
das Dekret des Herzogs Ernst ( r59I) hatte, wie wir sahen, alle Real- und Per- 
sonalangelegenheiten der Goldschmiede dem Münzmeister zugewiesen. Die 
Ordnung von 1773, „von denen hohen Behörden" verfasst, publiziert „mit aller 
höchster Beangnehmung" der Bürgermeister vonwienjoseph Georg Hörl und 
der Rat der Stadt; die Genossenschaftsangehörigen unterstehen aber in allen, 
ihre Organisation und das Verhältnis der Meister zu Gesellen und Lehrjungen 
betreffenden Fragen der niederösterreichischen Landesregierung, hinsichtlich 
allermitdemMaterialihrerArbeitinZusammenhangstehendenDinge(Material- 
beschaffung, Probhältigkeit, Legierung, Zeichnung) dem Hauptmünzamte. Die 
sechsjährige Lehrzeit finden wir nach wie vor angeordnet, aber das alte, auch 
1722 noch bekräftigte Vorrecht der Meistersöhne, in fünf Jahren auslernen zu 
dürfen, ist 1773 aufgehoben. Auch wird hier dringendst eingeschärft, die Lehr- 
jungen nicht zu „Hausverrichtungen", sondern zur gründlichen Erlernung 
der Profession anzuhalten - es scheint also eine alte Gewohnheit gewesen 
zu sein, die Buben zum Fegen der Wohnräume, als Kinderwärter und Lauf- 
burschen der Hausfrau zu verwenden; dass die Ordnung von 1773 darin wirk- 
lich Ordnung geschaffen habe, wird uns freilich nicht bestätigt. Interessant 
ist eine weitere Abweichung beider Ordnungen: 1722 wird vom „]ung" der 
Nachweis „dass er Römisch-catholischer Religion zugethann seye" und vom 
Gesellen der „Beichtzettl" verlangt, 1773 begehrt man nur mehr die Auf- 
weisung „eines legalen Taufscheines" - es ist die Josefinische Duldsamkeit 
gegen nichtkatholische Christen auch hier zur Geltung gelangt, der an anderer 
Stelle nachgewiesene grosse Zuzug aus Augsburg, Nürnberg und anderen 
teilweise protestantischen Gegenden wird das Fallenlassen der alten strengen 

	        

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