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Full text: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 7 und 8)

lichkeit gerichtet als auf die allgemeine 
Harmonie abgesehen. Am liebsten 
waren ihm Adam und Chippendale 
und auch japanische Möbel. 
Das sogenannte Pfauenzimmer, 
auf welches Whistler so viel künst- 
lerische Erfindung und physische Ar- 
beit verschwendete, war der Sp eisesaal 
des Mr. Frederick Richard Leyland, 
eines der berühmtesten und verstän- 
digsten englischen Kunstfreunde der 
zweiten Hälfte des XIXJahrhunderts. 
Sein Haus in Princes Gate war auf 
das geschmackvollste ausgestattet 
und enthielt viele der schönsten Werke 
der altitalienischen und der englischen 
Präraphaeliten. Neben Crivelli, Botti- 
celli und Filipo Lippi waren da zahl- 
reiche Bilder von Millais, Rossetti, 
Burne-Jones, Watts und Albert Moore 
zu finden. 
Das Haus selbst war von Nor- 
man Shaw dekoriert; das Stiegenhaus 
ward von dem damals abgetragenen 
Northumberland House nach Princes 
Gate übertragen und die Paneels an 
den Wänden, der Treppe entlang, von 
Whistler bemalt. Die Dekoration des 
Speisezimmers ward dem Architekten 
jeckyll übertragen, dessen Entwurf in 
erster Hinsicht auf die Schaustellung 
des schönen vonLeylandgesammelten 
orientalischen Porzellans berechnet 
war. Die mit kostbarem spanischen 
Fensterladen aus Whistlers Pfauenzimmer 
Leder verkleideten Wände dienten als Hintergrund für endlose Reihen, durch 
schlanke anmutige Stützen verbundener enger Fächer, auf welchen die Teller 
und Vasen gruppiert waren. Zwischen den Fächern liess Mr. Jeckyll freie 
Felder, wo das schöne Leder, welches den Eigentümer über 25.000 Kronen 
gekostet hatte, zur vollen Geltung kommen konnte. Der ganze Plan war 
mehr auf künstliches als auf Sonnenlicht berechnet und von der holzge- 
täfelten Decke hingen stalaktitenartig die gleichfalls von Jeckyll entworfenen 
elektrischen Beleuchtungskörper. Die Gesamtwirkung war pompös und der 
Architekt hatte volles Recht, mit Befriedigung und Stolz auf seine Arbeit zu 
blicken.
	        

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