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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 9)

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Das kostbare Toilettegerät besteht aus ungefähr 40 Stück, dem grossen 
Spiegel, 5 Leuchtem, Waschbecken und Krug, Seifenschale, 8 Dosen, 
6 Krystallfiaschen, Tischglocke, Hand- 
spiegel, Bürsten, Schere u. s. w. Auf 
fast allen Stücken sieht man den kaiser- 
lichen Adler, das badische Wappen 
und die verschlungenen Buchstaben 
S und N - Stephanie Napoleone - 
mit der Krone. Der Spiegel wird 
von Amor und Psyche gehalten und ist 
mit kleinen Reliefs der drei Grazien 
u. s. w. geschmückt. An den grossen 
Leuchtern sind Apoll, Athene und 
Poseidon zu sehen; am Waschbecken 
eine antike Toiletteszene, an der 
Seifenschale Pfauen, Schmetterlinge 
und das Paris-Urteil, an dem kleinen 
Kästchen eine antike Wochenstube. 
Das reizvolle Kästchen sowie die 
Nagelbürste sind ausser mit feiner 
Ziselierung noch mit dem blauen 
Pique-Email verziert (so benannte 
 
Taschenuhr aus der Empireausstellung in 
Hans Macht in Wien die besondere Dresden 
Art von Email, welche der Empire- 
kunst eigentümlich ist). Der Schöpfer dieses kostbaren Toilettegeräts hat 
seinen Namen an zwei Stellen angebracht: Biennais orfevre de L. L. Maj. 
Imp. et R. a Paris. 
Weiter sind von kostbaren Geräten zu nennen: eine goldene Suppen- 
terrine vom Sachsen-Weimarischen Hofe und der silberne und vergoldete 
grosse Doppelpokal der Dresdener Bogenschützengesellschaft. Das pracht- 
volle Stück, das im besten klassizistischen Stil gehalten ist, stammt aus dem 
Jahre x7g3 und ist ein Geschenk von Maria Christina Erzherzogin von 
Österreich, der Gemahlin des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen. Die 
Bekrönung dieses urnenförmigen Pokals bilden eine Doppelmedaille mit den 
Bildnissen des Prinzen und der Prinzessin, die von zwei Putten mit Arm- 
brüsten gehalten wird. 
Weiter finden wir in Silber eine Fülle von Tafelaufsätzen in Dreifus s- 
form, mehrere Leuchter, Essig- und Ölständer, Pfeffer- und Salznäpfchen, 
Schalen, ein Schreibzeug, auch einen grossen sperrarmigen Tafelaufsatz mit 
einer grossen und acht kleinen Fruchtschalen. Man kann bei vielen dieser 
Gegenstände beobachten, dass der Empirestil nicht imstande gewesen 
ist, neue Lösungen zu finden, weil die Antike diese Gegenstände eben 
nicht kannte und brauchte. Die Empirekünstler mussten notgedrungen 
auf die vorhandenen Formen der früheren Stile zurückgreifen und 
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