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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 9)

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dorfer Zentral-Gewerbevereines vernichteten in der Epoche des kunst- 
gewerblichen„Aufschwunges" diese Industrie bis auf einige armselige Über- 
reste und zwangen den grössten Teil der Dreher 
und Schreiner zur Auswanderung. In dem welt- 
abgeschiedenen Tale hatten sich die Formen 
des XV. Jahrhunderts teilweise noch bis in das 
XIX. Jahrhundert hinein erhalten. Einige der 
originellen Stühle mit dreikantigen und halb- 
runden Sitzen und Rücklehnen im Aachener 
Museum, welche aus dem XVIII. Jahrhundert 
datiert sind, Finden sich bereits genau so auf 
Gemälden der altniederländischen Schule. 
Den Vorrat der Hausfrau an Tellern und 
Schüsseln vereinigt das Bord, ein hohes, ein- 
faches Holzgestell mit vortretendem Sockel, an 
welchem schwerere Gegenstände, wie Krüge, 
Kannen, Butten, aufgehängt werden. Die 
Schüsseln sind bunte Bauernfayencen, wie sie 
in der Eifel und im Flachlande nördlich von 
Aachen gemacht wurden, aus grobem Ton mit 
weisser Engobe und Bleiglasur, verziert mit 
- dick emaillierten Blumen, Figuren und Gelegen- 
Wandhmme", Mßshg g'"i"""' heitssprüchen aller Art, wobei die Liebe und 
XVIlI. Jahrhundert (Sammlung Wan- _ 
g„„„„,_ Aachen) der Karneval neben unserem Herrgott die 
grösste Rolle spielen (sogenannte redende 
Schüsseln). Auch Sgraffito-Arbeiten kommen vor mit Verzierungen, die 
aus der weissen Engobe ausgekratzt sind und den braunen Grund des 
Tones sehen lassen, ausserdem sehr viel holländische Fayencen. Hohl- 
gefässe, wie Krüge, Kannen, Becher aller Art, dann Kerzenleuchter 
und Öllampen auf hohem Fuss sind einfache, anspruchslose Arbeiten aus 
Raerener Werkstätten. Die mit Reliefs geschmückten Steinzeuge haben 
längst den Weg zu Museen und Privatsammlern gefunden. Nur unter den 
grossen Buttertöpfen, den „Einmachsbaaren", finden sich ab und zu noch 
mit Wappen und Rundbildern verzierte Stücke. Den Stolz der Familie, den 
vornehmsten Schmuck der Küche bilden aber die Geräte aus Messing 
und Kupfer, die in blinkenden Reihen auf der Anrichte versammelt sind, 
einem Schranke, der das städtische Büffet vertritt und sehr wohl dessen 
erborgten Namen ersetzen könnte. Die Anrichte erhebt sich auf vier 
niedrigen Pfosten, etwa bis zu Brusthöhe und enthält hinter zwei 
Flügeltüren eine Reihe von Fächern zur Aufbewahrung von Lebens- 
mitteln und Speisegerätschaften. Auf die in starkem Profil vortretende 
Platte sind häufig noch ein bis zwei Stufen zum Aufbau des Metallgeräts 
gesetzt. Das kräftige Rahmenwerk der Türen und Seitenwände enthält 
rechteckige Füllungen im Barockstil, manchmal auch geschnitzte Rosetten, 

	        

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