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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 9)

einen festen, an eine Kutsche erinnernden Überbau tragen und gewöhnlich 
mit Rosetten und Streifen in Kerbschnitt verziert sind. 
Ich habe im Museum zu Aachen eine Bauernstube der geschilderten 
Art hergestellt und durchwegs mit Einrichtungsstücken ausgestattet, die ich 
bei zahlreichen Wanderungen durch die Dörfer um Nideggen, vor allem in 
Lammersdorf und Simmerath erwarb. Bei dem Misstrauen der Bauern war 
dies nicht immer eine leichte Sache. Die Zusammenstellung war um so 
schwieriger, als sich in Wirklichkeit leider kein einziges Bauernhaus, keine 
einzige Stube mehr im ursprünglichen Zustande erhalten haben. Überall waren 
selbst wichtige und charakteristische Stücke durch modernen städtischen 
Trödel ersetzt und so der Eindruck verdorben. Von den Herden fand ich 
keinen mehr in Tätigkeit. Man behält sie noch eine Zeitlang aus Pietät bei, 
etwa bis die Grossmutter das Zeitliche gesegnet hat, kocht, brät und heizt 
aber in einem neuartigen gusseisernen Trommelofen, den man in den Herd 
hineingebaut hat. Noch ein Jahrzehnt und die letzten Reste der nordeifler 
Bauernstube werden verschwunden sein. 
DIELE UND HALLE IN NORDDEUTSCH- 
LAND Sie VON HARTWIG FISCHEL 50 
LLE Worte fast, mit welchen unser Sprach- 
gebrauch die einzelnen Teile des Wohnhauses 
bezeichnet, besitzen ein hohes Alter. Sie beweisen 
uns, wie weit oft gewisse einfache und natürliche 
Wohnbedürfnisse zurückreichen, die heute von 
Vielen als Neuheit empfunden werden, weil ihnen 
der Zusammenhang mit der Vergangenheit 
unbekannt ist. 
In jenen frühen Zeiten, in denen der für 
unsere Tage so unentbehrliche Komfort des 
Wohnens und täglichen Lebens nicht bestand, wurde doch schon der Grund 
gelegt für die Hauptformen der Raumgestaltung; ja wir werden zu unserem 
Erstaunen immer wieder finden, dass gerade alte Wohnhaustypen eine 
Geschlossenheit, Behaglichkeit und künstlerische Abrundung besitzen, 
welche der moderne Mensch trotz aller Raffinements seiner Hilfsmittel 
selten zu erreichen im Stande ist. 
Das grossartige XXX. Jahrhundert, das für Wissenschaft und Technik 
eine glänzende Blütezeit gebracht hat, war allem Intimen, Abgeschlossenen 
feind. Indem die Grenzen aller Wissensgebiete erweitert wurden, die Ent- 
fernungen zeitlicher und räumlicher Ausdehnung zu schwinden schienen, 
gingen fast alle Fäden verloren, die uns an die jüngste Vergangenheit des 
Wohnhausbaues knüpfen konnten. 
Langsam beginnt man wieder, diese Fäden aufzunehmen. Aus den 
grossen Mietkasernen der Städte sehnt man sich nach den ländlichen Reizen 

	        

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