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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 9)

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liegt darin, die auf den Hof führt. So ist diese ganze grosse Wand nur 
Fenster. 
Neben dieser Fensterwand nach dem Hofe wird eine kurze Treppe mit 
schön geschwungener Rampe sichtbar. . . Von der Rast der kurzen Treppe 
geht die Haustreppe ab, die an der Wand nach dem ersten Stock führt. 
Sie liegt offen, ist breit und bequem, hat eine schöne geschnitzte Rampe, 
meist auch in der Mitte eine Rast. Über ihr liegt eine breite, ebenfalls nach 
dem Dielenraum offene Galerie, die die vorderen mit den hinteren Räumen 
verbindet und durch eine oder zwei mächtige hölzerne Säulen mit reichen 
Kapitälen gestützt wird. Auch die Galerie hat eine kräftige, reich geschnitzte 
Balustrade. 
Die Decke der Halle, die Unterseite der Treppe und der Galerie sind 
mit überreichem geschnittenem Stuck verziert, der wohl in der Regel weiss 
blieb, während alles Holzwerk über schwarzen Sockelstreifen gelb, grün, 
rot oder auch wohl marmorartig gestrichen war und farbig in der weissen 
Masse der Wände stand. Der Treppenwand gegenüber befand sich eine 
Waschvorrichtung von kaminartigem Aufbau, oft mit Inschriften verziert. 
Die Wohn- und Schlafzimmer lagen im ersten und zweiten Stock nach 
vorn. Im zweiten Stock pflegten auch die Speicherräume zu beginnen. 
Durch eine grosse Öffnung in der Decke hingen auf die Diele die Seile 
herab, mit denen die Waren emporgezogen wurden. 
Oft stand auf der Diele noch ein kleiner Bauer aus Holz und Glas- 
scheiben: das Ziebürken. Hier sass gegen den Zug geschützt die Näherin 
oder eine Magd, die bei einer Handarbeit, wenn es nötig schien, die Diele 
bewachte. Dies Ziebürken war der lagernden Waren wegen beweglic ." 
Die wenigen Überreste, welche in den alten Stadtteilen Hamburgs 
noch aufzufinden sind, werden nicht mehr in der alten Weise benützt. 
Hingegen finden wir in Lübeck, dem früheren Haupt des Hansabundes, 
noch recht viele solche Hausanlagen vom Leben unserer Zeit erfüllt, das 
sich in ihnen fast wie früher abspielt. Sie haben in einigen modernen Malern 
so zuerst in Gotthard Kuehl, dann in Karl Moll begeisterte Freunde 
gefunden. 
Was die feinfühligen Künstler zu ihnen hinzog, war der Zauber der 
malerischen Lichtwirkungen und der farbige Reiz der Raumbehandlung. 
Sie haben einen Vorläufer in Pieter de Hooghe, der in Holland ähnlichen 
Problemen n achging und in seinen zahlreichen Interieurs uns auch so viele 
holländische Dielen geschildert hat. (Sammlungen von Paris, London, 
Amsterdam, Berlin und Frankfurt.) 
Das L übecker Haus ist nicht so ausgesprochen Kaufmannshaus wie das 
Hamburger. Eines der wichtigsten Gewerbe der alten Zeit, das bis ins 
XVI. jahrh undert so verbreitet war, dass fast jedes Haus Brauberechtigung 
besass, das Braugewerbe, wird in Lübeck heute noch in solchen Dielen 
geübt; andere Handwerksbetriebe wie Schlosserei, Wagenbauerei etc. 
haben sich in ihnen heimisch gemacht, aber auch vornehme Privathäuser
	        

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