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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 9)

Neuwied, wo er einen neuen Betrieb ins 
Leben gerufen hatte. Die in Dresden aus- 
gestellten Kommoden sind Meisterwerke: 
mit den leicht farbigen Hölzern sind in die 
Füllungen Zimmerbilder eingelegt, deren 
perspektivische Wirkung nichts zu wün- 
schen übrig lässt. Beide Kommoden zeigen 
uns aber noch eine andere Eigenschaft der 
Möbel, die zu jener Zeit beliebt war. Ab- 
gesehen von den beiden Griffen am Tisch- 
kasten entdeckt man an dem ganzen Möbel 
nirgends ein Schlüsselloch, einen Griff oder 
sonst eine Möglichkeit, das Möbel zu öffnen. 
Durch den Druck auf einen winzigen Knopf 
öffnet sich das Schlüsselloch; führt man nun 
den Schlüssel ein und drückt man nun daran, 
so springen die Türen wie durch Zauber- 
macht von selbst auf; ja noch mehr, die 
Schubkasten schieben sich von selbst her- 
aus, teilen sich und klappen auf. Diese 
Mode des Geheimnisvollen stammt aus der 
Werther-Zeit - Louis XVI. Die Fülle von 
Schubladen, Lädchen und Geheimfächern 
ist bezeichnend für die Zeit, als man so 
hohes Gefallen am Briefschreiben fand und 
namentlich die Damen einen grossen Teil 
ihrer Zeit am Schreibtisch verbrachten. 
Auch an den andern Möbeln der Aus- 
stellung findet man, dass die Empirezeit 
Schloss und Schlüssel zu den unbequemen 
Empireausstellung 
„goldenen Toilette 
in Dresden, Aus der 
" der Stephanie Beauharnais 
Notwendigkeiten rechnete: Die Schubläden an einigen ovalen Tischchen 
sind nur durch Drücken an einem verborgenen Knopfe zu öffnen, der eine 
Stahlfeder auslöst. An andern Möbeln sind die Schlüssellöcher durch bronzene 
Klappen oder Rosetten verdeckt, oder sie sind wenigstens ganz unauffällig 
angebracht, dass man sie nur bei scharfem Hinschauen sieht. Als unästhetisch 
 
Empireausstellung in Dresden, Aus der „goldenen Toilette" der Stephanie 
Beauhamais 
empfand der Em- 
pirestil die mäch- 
tigen Kleider- 
schränke, grosse 
Speise- und Ge- 
schirrschränke. 
Statt der Kleider- 
schränke benützte 
man ausgesparte
	        

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