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Full text: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 10)

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vollkommen haltlos ist. Es sind uns aus der ersten Hälfte des XVI. Jahr- 
hunderts gar keine anderen deutschen Gefässe in dieser Ausstattung mit der 
Figur des Gekreuzigten, rnit Spielleuten und ähnlichen Darstellungen bekannt. 
Warum kein Exemplar der Kunz Preuning-Krüge erhalten geblieben ist, 
wurde genügend erläutert. Seine Model mit den Bauemtänzen waren wohl 
nach den Behamschen Stichen kopiert. Im übrigen treffen alle Umstände 
bei unseren Krügen zu: „Die Nürnberger Provenienz, nachgewiesen durch 
die häufig auftretenden Wappen der Stadt und Nürnberger Familien, die in 
den Ratsverlässen genannten Darstellungen auf den Gefässen und endlich 
die Zeit, die ausgehende erste Hälfte des XVI. Jahrhunderts, in welcher die 
protestantischen Fürsten Deutschlands den letzten Kampf gegen den 
katholischen Kaiser Karl führten, und sich in den Werken der grösstenteils 
reformierten Handwerker und somit auch in jenen der Nürnberger Hafner 
die Begeisterung für die Verfechter ihres Glaubens widerspiegelt." 
Ausser den erwähnten Paulus und Kunz Preuning gingen noch, wohl 
von derselben Familie, dem gleichen Handwerk nach: 
Magdalena Paulus Preunin, gestorben 1557. Ihre Werkstätte befand 
sich beim Tiergartnertor. (Nürnberger Totengeläutbuch). 
Anna Paulus Preuning vom Tiergartnertor, gestorben 1562. 
Margarethe Philipp Preunin vorn Spitlertor, gestorben 1570. 
Andreas Präuning, gestorben zwischen 1598 und 1600. 
Matheus Präuning, gestorben bald nach 1600. 
Stefan Präuning, gestorben im gleichen Jahre wie Matheus Preuning. 
Alle vorbezeichneten Personen übten nachweislich das Hafnergewerbe 
in Nürnberg aus und es ist daher nicht ausgeschlossen, dass die späteren, 
an die Arbeiten des Paulus Preuning erinnernden Krüge diese zu Fertigern 
haben. Magdalena Paulus Preunin könnte die Mutter, Anna Paulus Preuning 
die Frau unseres Paul Preuning gewesen sein. Treffen diese Vermutungen 
zu, dann stand seine Werkstätte am Tiergartnertor. 
Wie bereits angedeutet, ist es durchaus nicht ausgeschlossen, 
dass ähnliche Arbeiten auch von anderen Hafnern Nürnbergs gefertigt 
worden sind. Vielleicht erfahren wir hierüber Näheres in Zukunft; heute 
steht jedenfalls Preuning im Vordergrunde und beansprucht das meiste 
Recht, der Schöpfer jener Gefässgruppe zu heissen, die ebenso schön wie 
originell, heute so gesucht und mit enormen Preisen bezahlt, in Hirschvogel 
bisher nur einen Adoptivvater gefunden hat. 
Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, möchten wir, bis die Resultate 
weiterer Forschungen noch engere Grenzen ziehen können, sechs Gruppen 
der Nürnberger Gefässtype aufstellen und zwar: 
I. Kunz Preuning-Gruppe. Bunt glasierte I-Iafnerkrüge mit dem Kruziiixus 
zwischen Pfeifer und Trommler oder in Zusammenhang mit Bauemtänzen 
aus dem Jahre 1548. 
II. Paul Preuning-Gruppe. Hafnerkrüge mit den vorgenannten 
Darstellungen, jedoch nicht in gleicher Gruppierung. Weiters solche mit
	        

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