MAK

Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 10)

ist von diesem Schlage. Das ausserordentliche Verständnis für Bodengestalt und Pflanzen- 
wuchs tritt hier und schon auf viel früheren Blättern mit geologisch-botanischer Deut- 
lichkeit hervor, aber doch immer malerisch gewertet, was man zum Beispiel von Enders 
brasilianischen Studien und sogar von Sellenys mehr zeichnerisch 
geistvollen Novarablättern nicht sagen kann. Diese malerische 
Innenkraft drückt sich bei Alt schon in den kleinen Aquarell- 
veduten der Vierzigerjahre („Wien im Schnee" und dergleichen) 
als starker Instinkt für Raum, angeborene Luftperspektive und 
von selbst gekommene Atmosphärik aus. Man kann in der 
Sammlung seine ganze technische Entwicklung genau verfolgen, 
auch wie sie mannigfach an die wechselnde und wachsende 
Weise seines Vaters Jakob anknüpft. Eine grosse, wie mit 
zarter Reissfeder hinlinierte und ganz zart aniavierte Strassen- 
perspektive Jakobs erinnert zum Beispiel sofort an grosse ähn- 
liche Blätter Rudolfs (Josefsplatz und andere) in der Albertina. 
Ein unvollendetes architektonisches Blatt Jakobs deutet sogar 
schon auf den späteren Rudolf hin. Ein überraschendes Blatt 
von Franz Alt („Saal im Palazzo Vendramin", 186i) in schwerer 
Purpur- und Altgoldpracht ist wohl das beste Bild dieses sonst 
zarter angelegten Künstlers. Von Pettenkofen sieht man neben 
zahlreichen Kabinettstücken in Öl und Aquarell eine Menge 
brillanter, noch brillanterer und brillantester Studienblätter, die 
seine innige Beziehung zu aller Umwelt verraten. Da Lobmeyr 
tatsächlich der letzte Altwiener vom Schlage der Gsell und Art- 
haber ist, findet man bei ihm Altwien sehr schön und lehrreich 
beisammen. Nicht nur in Perlen der Olpalette eines Waldmüller 
(Taormina), Gauermann, Eybl, Karl Schindler, Ranftl, Fendi 
Aßsslßlllmg Vßnüvldsßbmißdß- und so fort, sondern auch in Studien von mehr privatem Reiz, 
amfm" i" Troppam Thor?" bei denen nie an ein öffentliches Auge gedacht wurde. Ent- 
schüd vol-{Josd 15ml Fauna zückendes dieser Art findet sich zum Beispiel von Danhauser. 
xmzywun (KSHINXISOO) Auch das Porträt und die Porträt- 
studie dieser Alten ist ein reich bestelltes Gebiet (Pyrkerkopf von Dan- 
hauser); die Studien zu Amerlingschen Bildern muten besonders an, 
auch Kriehubersche Sachen, darunter ein augenscheinliches Selbst- 
porträt, und so fort bis zu den Canonschen Köpfen herauf, in denen sich 
seine elementare Malkraft so hinterdenKulissen tummelt. Auchmanche 
in den letzten Zeitläuften vernachlässigte oder auch verkannte Wiener 
Erscheinung tritt hier in der Liebenswürdigkeit ihrer ursprünglichen 
Eigenart auf. Man wird den schlicht auftretenden, aber lebensbildlich 
so wahren Typen Anton Müllers alle Anerkennung zollen, desgleichen 
den zwerchfellerschütternden Humoresken Lauf bergers und auch den 
naiv kolorierten, aber von schärfster Beobachtung des österreichischen 
Volkstums strotzenden Scherzszenen Alois Greils. Mancher kunst- 
geschichtliche Einzelzug wird an der Hand dieser kaum bekannt 
gewordenen Blätterfolgen einigermassen zu berichtigen sein. Die 
grossen „Schlager" der Sammlung sind natürlich allbekannt. Die 
Prachtstücke von Makart, Schönn, Defregger, Kurzbauer (Rahls inten- Aussmmng von 501d- 
sives Bild „I-Ierkules und Omphale" sahen wir erst kürzlich in der Schmiedearbeiten in 
retrospektiven Abteilung der Dresdener Ausstellung), dazu die farben- TmPPmi Tho""h_üd 
prächtigen Munkacsyschen Studien zum Milton, Mozarts Tod, Christus Äzxilmszfsux 22:11:23: 
vor Pilatus, (auch eine grosse bewegte Kreideszene von den unga- 
1725, Wien (Kai. Nr. 
rischen Wahlen, i868, zeigt Munkacsys Klaue). Bis 1860 geht eine 495) 
 

	        

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