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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 7 und 8)

einen andern oder einen Lehrjungen seinem Herrn abwendig machen 
sollte, und fÌr jede Art von Vorschubleistung der "Stöhrerey" sind in beiden 
Ordnungen dieselben. Interessant ist es, dass die Ordnung 
von 1722 die in der oben mitgeteilten Vereinbarung der Meister 
vom 8. Dezember 1638 erfolgte Festsetzung der StÃŒckarbeit 
und des Meisterlohnes nach dem Lot ausdrÃŒcklich aufhebt, 
die Ordnung von 1773 hievon aber keine ErwÀhnung mehr 
tut. Den Gesellen wird da und dort strenge Zucht verheissen, 
aufstehen mÃŒssen sie um '56 Uhr frÃŒh und arbeiten bis 7 Uhr 
abends, nur am Samstag wird bereits um 6 Uhr Feierabend 
gemacht. Die Ordnung von 1773 verbietet aber auch die 
„blauen Montage" auf das schÀrfste; dieses Blaumachen, 
ein altÃŒberlieferter, auch heute noch nicht ausgerotteter Un- 
fug, scheint zum Schaden der Arbeit und der ÜbeltÀter 
damals solchen Umfang genommen zu haben, dass sie in 
Leuchtervon wam jedem Falle dem KommissÀr „zur Bestrafung" angezeigt 
um", m, werden sollen, der Meister aber, der die Anzeige unterlÀsst, 
mit 5 Reichstaler Busse belegt wird. 
Auf pÌnktliches Erscheinen der Meister bei den öffentlichen Verhand- 
lungen des Mittels wird besonderes Gewicht gelegt, ZuspÀtkommen und 
unentschuldigtes oder ungenÃŒgend motiviertes Fembleiben dem alten 
Gebrauche nach mit Geldstrafen belegt. Was einer zu sagen hat, ist „mit 
gebÃŒhrender Bescheidenheit" vorzubringen, kann er selbst nicht reden, so 
soll er „seine Nothdurft" durch einen Mitbruder mit „obbemelter beschaiden- 
heit", wie es 1722 heisst, vorbringen lassen. Und diese EinschÀrfung scheint 
dringend notwendig, der Ton oft recht heftig gewesen zu sein, denn mit 
Àhnlichen AusdrÃŒcken wie 1722 werden auch noch 1773 „alle Beschimpfungen, 
ehrenrÌhrische Worte, VorwÌrfe einiger Verbrechen  und alle gehÀssige 
Reden und spöttische ErzÀhlungen" bei 6 H. Strafe verboten. „Aus der 
Bruderschafft schwÀtzen" und die „geheimbnusse der Profession dennen 
gesöllen vertrauen" wird wie 1722 auch 1773 noch ausdrÌcklich verboten. 
Die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession und andern bestimmten 
gottesdienstlichen Handlungen wird in beiden Ordnungen eingeschÀrft. Die 
LeichenbegÀngnisse eines verstorbenen Meisters, einer Meisterin oder 
Meisterswitwe scheinen aber nicht genug Beachtung gefunden zu haben, 
denn die Ordnung von 1773 bestimmt ausdrÃŒcklich, dass ihnen abwechselnd 
stets sechs Meister beizuwohnen haben. Dass die Vorsteher die Gelder der 
Bruderschaftslade ordentlich "verraiten" (1722) : verrechnen (1773), wird 
geboten, aber die letztere Ordnung hat wohl bestimmten Anlass, noch „alles 
Essen und Trinken auf Unkösten der Lade" aufs schÀrfste zu verbieten. 
Die Gelder sollen „fÃŒrohin mehrers als bishero geschehen ist, besonders 
auf kranke, arme und nothleidende Professionsverwandte aufgewendet 
werden". Durften die Meister von 1722 bis 1773 nicht mehr als sechs Gesellen 
und drei Lehrjungen halten, so wird ihnen von da ab in dieser Hinsicht keine
	        
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