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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 11)

und die Sezession, überhaupt die 
Produktion des Tages ist fast aus- 
geschlossen geblieben. Dass sich unter 
diesen Umständen viele treffliche 
Werke hier belinden, die aber des 
Interesses der Neuheit für europäische 
Leser entbehren, ist selbstverständlich. 
Wir können deshalb bei 
beschränktem Raume, die 
ganze, 16 Säle füllende 
Ausstellung fast überge- 
hen; obgleich sich sieben 
Lenbachs, darunter zwei 
Bismarck - Porträte, das 
vorzügliche Porträt des 
Baron von Perfall von 
LBlbl, ZWBl Landschaften Weltausstellung zu St. Louis, Vasen, Fabrik Rörstrand, Stockholm 
Langhammers und andere 
vorzügliche, neuere Bilder darunter befinden, ändert dies daran nichts, dass 
für europäische Beschauer diese Ausstellung wenig bietet, denn man erwartet 
auch von den Neuen oder Neueren Neues zu sehen. Anders freilich für 
Amerikaner, die Europa nie besucht haben! Menzels „Eisenwalzwerk" 
fesselt hier ganz besonders und mit Recht! Auch die vielen „Werner" aus der 
Nationalgalerie haben ja ihr Publikum. Überhaupt ist die Nationalgalerie so 
gründlich geplündert worden, dass man eigentlich nur auf deren Katalog zu 
verweisen braucht. Unter neueren Bildern seien noch hervorgehoben: 
Schuster-Woldaus fein gedachtes und gestimmtes Gemälde „Frau am 
Meere", Hans Bartels Freilichtgestalten, Hugo Vogels „Mutter und Kind", 
L. Loefftz „Orpheus und Eurydice", die von keuschem Reize sind, Kretells 
„Mädchenköpfe", Schlichtings herrliches Bild „Strandvergnügeni G. Kuehls 
„Altmännerhaus in Lübeck", Fischer-Gurig „Ostfriesische Schiffswerfte", 
Kösters Entenbilder, Hans Fechners „Dame in Schwarz". Sie alle und noch 
manch andere Bilder legen Zeugnis dafür ab, dass in Deutschland auch in 
der Malerei eine junge Kunst pulsiert, die nur hieher ihren Flug nicht wagen 
durfte, nicht als Ganzes; nur einzelne Vorboten sind gekommen, die viel- 
leicht einen Schwarm verkünden für kommende Zeiten. 
Auch die Skulptur, obgleich sie trefflich ist, fast besser als die Malerei, 
bringt wenig Neues. Breuers „Adam und Eva" stehen an Bedeutung voran. 
Dieser Adam, der die ganze Schwere und die ganzen Folgen des Sündenfalles 
zu empfinden scheint, wie sein gedankenvolles Antlitz ausdrückt und doch 
mitleidsvoll seine sündige Gefährtin zu sich emporzieht, er überragt weitaus 
alle andern Darstellungen desselben Sujets, die sich in grosser Zahl in der 
Ausstellung, und zwar bei allen Völkern, ganz besonders auch bei den 
Amerikanern, tinden. Im Manufakturpalast, wo die Regierungsausstellung 
 
	        

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