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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 11)

Nun folgt das grün und blaue Kinderzimmer, in dem alles nicht nur für 
die Bedürfnisse, sondern auch für den etwas krassen Geschmack der kleinen 
Bewohner berechnet ist. 
Das folgende Badezimmer mit dem prachtvollen weiss marmornen 
Vollbad ist keinem alten Vorbild entlehnt, sondern entspricht dem modernsten 
Raffinement. S0 sind verborgene elektrische Lichter unter der Oberfläche 
des Wassers angebracht. 
Sodann folgen Kopien der Gemächer, welche der Prinz und die Prinzessin 
von Wales auf dem „Ophir" zu ihrer Weltreise bewohnten. Das Staatszimmer 
ist im Stil des XVI. Jahrhunderts gehalten, das Billardzimmer im Elisa- 
bethinischen Stil. 
Ebenfalls in historischen Stilen sind die Räume gehalten, welche George 
Trollope und Söhne im englischen Regierungsgebäude ausgestellt haben. 
Von ernster Gediegenheit ist besonders der gotische Raum. Alle diese 
Räume sind ungefähr für einen städtischen Millionärspalast berechnet, und 
weisen vorzügliche Exemplare von geschnitzten Möbeln auf, die nie über- 
laden scheinen. Auch die ganze Anordnung und Dekorationist von vollendeter 
Pracht. 
Nicht von englischem, sondern von orientalischem, besonders indischem 
Geschmacke und Kunstgewerbe legt die Sammlung der Jubiläumsgeschenke 
der Königin Viktoria Zeugnis ab. Sie zeigt grösstenteils Behälter für Adressen 
in sehr feiner Elfenbeinarbeit. Menschen-, Tier- und Pflanzenformen bilden 
ein phantastisches, oft faszinierendes Ganzes, das meistens von geometrischen 
Figuren zusammengehalten wird. 
Kanada hat Gemälde gesandt und damit vier Galerien gefüllt, und da 
schon die Panamerikanische Ausstellung in Buffalo uns vor drei Jahren 
bewiesen hat, dass dort eine begabte Malerschaar haust, so war die Gediegen- 
heit der kleinen Sammlung wohl eine Freude, aber keine Überraschung für 
die Amerikaner. Die königlich kanadische Akademie, welche Kanadas 
Kunstzentrum bildet, hat diese Ausstellung zusammengestellt. Sie doku- 
mentiert, dass bis jetzt eine eigentliche Heimatskunst sich in Kanada noch 
nicht entwickelt hat, sondern dass die im Ausland erworbene Schulung noch 
deutliche Zeichen hinterlässt. Aber merkwürdigerweise scheinen sich die 
wenigsten der Künstler England für ihren Europa-Aufenthalt auszusuchen, 
sondern darin mit den Amerikanern der Staaten übereinzustimmen, dass sie 
meistens Holland und Frankreich zum Ziele erwählen. Kanada besitzt ja 
auch sehr viele Einwohner französischer Abstammung und rnit französischen 
Sympathien. Um gerecht zu sein, müsste man viele der Bilder erwähnen, 
denn die Sammlung ist sehr sorgfältig ausgewählt, aber ich will den 
Raum nicht mit der Aufzählung von Namen ausfüllen, sondern nur 
einige besonders charakteristische Bilder hervorheben, so zum Beispiel 
F. M. Bell-Smiths „Lachslischerei der Siwashindianer im Fraserflusse 
zwischen hohen Bergen". Florence Carlyles Gemälde „The Tiff" zeigt sehr 
breite, kecke Behandlung und ebenso die Bilder von A. C. Williamson,
	        

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