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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 11)

 
Verkleinern Abbildung aus dem Werke „Hochzeit des Figaro" von Moritz von Schwind 
So fühlt sie sich fremd, verkannt und betrogen. Ihre Arien sind das anständigste, 
zarteste und ausgearbeitetste, was man sich denken kann. So sind sie durch 
ihre Verheirathung oder vielmehr durch die Äusserlichkeiten getrennt statt 
zusammengebracht, darin liegt der Grund zu dem doppelten Interesse, 
einerseits den Grafen auf seinen Schlichen zu überwachen, andrerseits die 
Gräfin zu Schritten zu bringen, die ein anderes Verhältnis zeigen als ein 
gesetzliches. Wie sehr der Graf alles Herkömmliche verachtet, zeigt er bei 
der Aufhebung des rito feudale und seinem Schleichhandel während der 
I-Iochzeitsfeierlichkeit. Figaro und Susanna heirathen ihnen vor der Nase, voll 
Scherz und Feinheiten, und sie sehen es noch nicht ein. Das eigentliche 
Motiv der Oper ist aber der Page. Wenn du den Gang der Handlung verfolgst, 
so wirst du sehen, wie sehr er ohne Schuld immer Verwirrung in die 
Verhältnisse bringt und darum auch verfolgt wird. Bis im grossen Rendezvous, 
wo er so zu sagen den Ton angiebt. Von seinem Charakter will ich nicht 
sprechen. Mirate i1 bricconcello, mirate quanto e bello. Von seiner Zwitter- 
natur musst du mehr verstehen als man sagen kann, sonst erfahrst du nie, 
wie er aussieht. So heisst es immer schweigen, wenn das eigentliche 
kommen soll und so mache ich mein Zeichen." 
Das unvergleichliche Werk hatte auf den jungen Künstler einen tiefen 
nachhaltigen Eindruck gemacht. Aus der verständnis- und liebevollen 
Beschäftigung mit diesem Stoffe entstand das schönste und lebendigste von 
allen Werken seiner jungen Jahre: der Hochzeitszug des Figaro. Es ist 
dies eine Folge von dreissig, nach dem Vorbild von Dürers Triumphzug
	        

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