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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 11)

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dieselbe, die durch Schwinds Zyklus „Der Herr Winter" in den „Fliegenden 
Blättern" ins lebendige Bewusstsein des deutschen Volkes gedrungen ist und 
seither zu dem Volkstümlichsten gehört, was deutsche Maler geschaffen 
haben. Die Darstellung der vier Jahreszeiten hat Schwind auch wieder in den 
Sechzigerjahren zu einem seiner kunstgewerblichen Entwürfe für Öfen- 
dekorationen (gegenwärtig in der Kunstgewerbeschule zu Nürnberg) ver- 
wendet. 
Vor allem ist aber in Schwinds künstlerischer Tätigkeit die Vorliebe für 
Mozart bis an sein Ende lebendig geblieben. Jahrelang hat ihn der Plan, 
eine Wand eines Musikzimmers mit Darstellungen aus Mozarts Schöpfungen 
zu verzieren, beschäftigt. Was von diesem Plane in die Fresken der Wiener 
Hofoper überging, ist allgemein bekannt. Selbst in dem Jahre vor seinem 
Tode hat ihn noch der Gedanke eines Zyklus aus Mozarts DonJuan gefesselt, 
wovon zahllose Skizzen und Entwürfe zeugen, die sich in seinem Nachlasse 
vorgefunden haben. So ist er Mozart, dem Liebling seiner jungen Jahre, bis 
an den Tod treu geblieben, ebenso wie einem andern Liebling seinerJugend, 
seinem grossen Freunde Franz Schubert. 
HAROLD FALKNERTS "HEIKO RATIIiI-TE"  
STUDIEN w voNEP;  ' O.D'Yi'v-LONlDßOfN. vs:- 
 
AS Vorwort zu dem berühmten Wildeschen Romane 
„Das Bildnis des Dorian Grey" besteht aus 
einer Reihe glänzender Paradoxe über das 
Wesen der wahren Kunst, unter welchen sich 
auch an leitender Stelle der kühne Ausspruch 
befindet: Die Kunst sei absolut unnütz. 
Damit will der Autor natürlich nicht sagen, 
dass die Kunst nicht zu nützlichen Zwecken 
angewendet werden kann, denn so eine Be- 
hauptung würde mit täglich wahrzunehmenden 
Tatsachen in krassem Widerspruch stehen, 
sondern dass das Nützlichkeitsmoment im Augenblicke des Entstehens des 
wahren Kunstwerkes ausser acht gelassen werden muss, dass der Drang 
nach dem Schönen des Künstlers einziger Antrieb sein darf. Die Freude des 
Schaffens um des Schaffens willen! 
Dieses Wort von der Nutzlosigkeit der Kunst drängt sich einem unwill- 
kürlich bei der Betrachtung der Harold Falknerschen dekorativen Vogel- 
 
Ystudien auf, zum mindesten wäre es schwer, für diese Riesenbogen 
braunen oder grauen Packpapiers, von welchen sich bei der leisesten 
Berührung die zur Zeichnung verwendete Kreide loslöst, irgendwelche 
praktische Verwendung zu finden. Ihr Ursprung ist in des Künstlers
	        

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