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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 12)

 
Weltausstellung zu St. Louis. Andrea Tavernier, ..Das Leben ein Traum" 
auch in den übernaturalistischen Bronzen, Statuen und Büsten im Manu- 
fakturpalast geltend macht. Jene modern italienische Richtung, die die 
Grenzen der Plastik ganz zu vergessen scheint und als Verismus bekannt 
ist, hat auch in Originalarbeiten im Kunstpalast reichliche Vertretung. Das 
in seiner Art vollendetste Produkt des Verismus, eine Natumachahmung von 
höchster Kunstfertigkeit ist Emilio Galloris „Mann mit der Pfeife". Aber wie 
kalt lässt sie uns. Da bleibt für den Geist nichts zu erraten, nichts für die 
ahnende Seele! 
Ganz anders die Werke eines Künstlers, der wenigstens in St. Louis 
als der Meister unter den italienischen Bildhauern erscheint: Carlo Fontana. 
Sein „Dante in Inferno", eine überlebensgrosse Marmorstatue, zeigt Anlehnung 
an Rodin, aber einen durchaus selbständigen von hohen Idealen inspirierten 
Geist. Die Behandlung des Marmors ist sehr keck, alle Details sind ver- 
mieden. Nur auf intensiven Ausdruck ist hingearbeitet. Ausser dem „Dante" 
befindet sich in der Bildergalerie noch eine kleine Bronzestatue von 
Fontana, welche Emanuele Filiberto darstellt. Die übrigen Bildhauerwerke, 
die Italien gesandt hat, zeigen zumeist entweder die veristische Auffassung 
oder was noch schlimmer ist, eine glatte Konventionalität, die für Anlehnung 
an die Antike gelten möchte. 
Als ganzes ist die Malerei diejenige Branche, in welcher Italiens 
Künstler das Beste zeigen. Auch hier findet sich mancherlei Minderwertiges, 
manches, das als Spielerei berührt, doch aber auch verschiedene Werke, die 
einem mit ehrlicher Bewunderung erfüllen. In der Technik scheinen die 
jüngeren Italiener allerlei Experimente zu lieben, von denen manche über- 
raschende Resultate ergeben. Segantinis Stil findet Nachfolger, er selbst 
ist nicht vertreten, dann werden Öltemperafarben mit Vorliebe benützt und 
auch die Raffaelstifte. Ganz eigentümlich sind einige Bilder behandelt, welche 
eine ganz körnige Oberliäche zeigen, die eine sehr kraftvolle Wirkung 
hervorbringt. Eine Art Trockenlasierung gibt dann die perspektivische Ver- 
tiefung und nimmt die allzu plastische Wirkung, indem eine leichte Ver- 
schleierung hervorgebracht wird, die auch zu dem etwas mystischen Inhalt 
gerade dieser Gemälde wohl passt. In dieser Weise ist Gallileo Chinis
	        

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