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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 12)

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noch dem Epheu, noch dem Akanthus, 
aber zugleich allen dreien angehört und mit 
einem Rund verbunden ist, das wiederum 
mit anderen organisch zusammenhängt, 
indem ein Teil aus dem andern heraus- 
wächst; zweitens den Ersatz der runden 
Einfassung durch den Spitzkreis und 
schliesslich die versetzte Reihung, die 
einen ständigen Fluss in die Masse bringt. 
Der Naturalismus wird fast ganz aufge- 
geben, dagegen das Ornament innerlich 
belebt, in allen Teilen logisch entwickelt. 
Das Flimmemde, Vibrierende, das dieTextil- 
kunst mit allen anderen Flächenkünsten, 
namentlich dem Mosaik, der Metallarbeit 
teilte, ist dem Zuge zum Grossen, die Viel- 
heit der imponierenden Einheit gewichen. 
Natürlich vollzog sich die hier vom Miniator 
 
. . . Seidenstoff des XIV. Jahrhunderts (italie- 
ln elnes zusammengefasste Entwlcklung nisch-gotisch) unter chinesischem Eindusse 
nuf  (Aus Dreger, „Künstlerische Entwicklung 
Im Abendlande brachte es  Gobelirk der Weberei und Stickerei", Wien, k. k. Hof- 
_ _ _ _ n und Staatsdruckerei) 
drukerei und -stickerei schon im fruhen 
Mittelalter zu künstlerischen Wirkungen, die im XIV. Jahrhundert auch auf 
die Leinenweberei zurückwirken. Feine, gemusterte Seidengewebe wurden 
dagegen aus dem Orient bezogen, anfangs aus Byzanz und Syrien, dann 
aus den byzantinischen Werkstätten Siziliens und Unteritaliens, die später 
in die Hände der Sarazenen übergingen und unter der Herrschaft der 
Normannen weiter betrieben wurden. Hier deckten vor allem die deutschen 
Kaiser ihren Bedarf, und zwar nicht nur in gewebten Stoffen, sondern auch 
in Prachtstickereien in Seide und Gold. Dreger ist nach meiner Überzeugung 
der Beweis gelungen, dass nicht nur die sogenannte Kaiserdalmatica des 
Vatikans und das Kaiserpallium des Domschatzes zu Bamberg, diese Stiftung 
Kaiser Heinrich II., sondern auch der vielumstrittene Krönungsmantel in 
Ofen, angeblich ein Werk der Schwester des Kaisers, der ungarischen 
Königin Gisela vom Jahre 1031, süditalisch-byzantinische Arbeiten sind. Der 
Stil der Figuren ist auf allen sehr verwandt. Die lateinischen Inschriften des 
Krönungsmantels hindern uns keineswegs anzunehmen, dass in Süditalien 
ansässige Sarazenen mit dessen Herstellung betraut worden waren. Sind ja 
doch auch die Bezeichnungen der Sternbilder auf dem Bamberger Pallium 
lateinisch, dessen Muster inschriftlich von einem Sarazenen namens Ismael 
wenn nicht entworfen, so doch beeinflusst ist. 
Die sarazenische Seidenweberei entlehnt ihre Muster teils direkt der 
Antike, teils dem Byzantinismus, teils dem fernen Oriente. Vom XIII. Jahr- 
hundert ab, mit dem Vordringen der Tataren, wird die Verbindung mit 
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