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Volltext: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 12)

für Ornamentmotive und Blumen- 
muster. In seine Zeit fällt die Blüte 
Lyons, das den Textilstil Europas be- 
herrscht. Aus dem Rokoko beginnen 
folgerichtig die naturalistischen Ele- 
mente, wie die Felsgebilde des Rocaille 
hervorzudrängen und den Naturalis- 
mus des XIX. Jahrhunderts vorzube- 
reiten, mit dessen geistvoller Schil- 
derung der vorliegende Textband 
schliesst. Dreger sieht in ihm nicht 
wie die anderen die Auflösung, den 
künstlerischen Nihilismus, sondern den 
Schlusspunkt der Entwicklung, wie 
ihn die Kunst schon einmal in spät- 
römischer Zeit kennen gelernt hat. 
Es war keine leichte Aufgabe, 
den gewaltigen Stoff streng wissen- 
schaftlich in einem Bande von mässi- 
gem Umfange zu behandeln, zumal 
die innige Verbindung zwischen der 
Textilkunst und den jeweiligen ökono- 
mischen Verhältnissen fortwährende 
Rücksicht auf die allgemeinen Kultur- 
zustände forderte. Wenn der Ver- 
fasser darin vielleicht hie und da zu 
weit ging, darf ihm daraus kein Vor- 
wurf gemacht werden, weil sein Werk 
den Anspruch erheben darf, die erste 
Textilpublikation zu sein, die aus 
grossenkunstgeschichtlichenGesichts- 
punkten heraus gearbeitet ist. Die 
technischen Erläuterungen sind auf 
das äusserste beschränkt und dem 
historischen Teile vorangesetzt. Das 
Schwergewicht liegt auf der Dar- 
stellung der stilistischen Entwicklung 
der Muster, welche im Zusammen- 
hange mit den neueren Errungen- 
schaften der Wiener Schule erfolgt, 
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Msrmorincrustation der jesuitenkirche zu Venedig- 
Anfang des XVIII. jahrhunderts (Aus Dreger, „Künst- 
lerische Entwicklung der Weberei und Stickerei", 
Wien, k. k. Hof- und Staaxsdruckerei) 
die ja darin reforrnatorisch gewirkt hat. Aber selbst bei der Stilanalyse ist 
Dreger genötigt, sich mit Winken, mit kurzen Hinweisen auf die Abbildungen 
zu begnügen, die der Leser stets zur Hand haben muss, um durch eigenes 
Studium den knappen, mitunter geradezu aphoristischen Text zu ergänzen.
	        

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