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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 2)

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CHARLES MEUNIERS BUCHEINBÄNDE SIP 
VON HENRI FRANTZEW 
S wäre in der Tat eine Anmaßung, zu versuchen, 
in einer kurzen Abhandlung die große Menge 
der gegenwärtig in Frankreich künstlerisch 
arbeitenden Buchbinder zu besprechen oder der 
neuerlichen Wiederbelebung dieses Kunstzweiges 
gerecht zu werden. Der Gegenstand ist in Sonder- 
werken von solchen Buchliebhabem wie Octave 
Uzanne und Henri Beraldi behandelt worden, ist 
aber so umfangreich, daß es möglich erscheint, 
von Zeit zu Zeit selbst solchen Monographien wie 
diesen einige Worte zuzufügen und die Aufmerk- 
samkeit auf gewisse Stadien dieser Kunst oder auf einzelne Kunsthandwerker 
von frischer Individualität zu lenken, welche von den genannten Autoren 
übersehen wurden. 
Wenn man die Erzeugnisse der modernen Buchbinderei in breiten Zügen 
betrachtet, findet man sich angesichts zweier leitenden Tatsachen, die der 
Leser leicht begreifen wird. 
Einerseits lindet man eine Gruppe dekorativer Künstler im weitesten 
Sinne des Wortes, welche die Buchbinderei nicht zur alleinigen Spezialität 
gemacht haben und sie nur als eine von vielen Gelegenheiten, ein Ideal aus- 
zudrücken, betrachten, solche Leute, wie zum Beispiel: Victor Prouve, 
ein begabter Künstler, der sich in jeder Branche auszeichnet, oder wie 
Camille Martin, Jacques Gruber und Ranson oder wieder wie Rene' Wiener, 
I-Iestaux, Madame Waldeck-Rousseau und Madame Antoinette Valgren. 
Diesen Künstlern erscheint als einzig wichtiger Punkt der rein dekorative 
Charakter des Einbandes, der Wunsch etwas Schönes zu schaffen und die 
Kunst des Buchbindens auf die höchste Stufe zu heben, und ihre 
Bemühungen sind unzweifelhaft interessant. 
Zu gleicher Zeit muß man aber zugeben, daß sich gegen die Arbeiten 
dieser Künstler ein Einwand erheben läßt - ein ernster und ungemein 
wichtiger Einwand, und zwar, daß sie die Grundbedingung eines Buchein- 
bandes, seinen durch und durch nützlichen Zweck, außer acht lassen. Man 
nehme ä allerdings nicht ohne gewisse Ausnahmen vi eine Buchdecke 
irgend eines der von mir angeführten Künstler. Wenn man die Eleganz der 
Zeichnung und die geschickte Behandlung des Leders als Material genügsam 
bewundert hat, wird man häufig finden, daß die Handhabung des Bandes 
selbst nicht zufriedenstellend ist. Es ist ein rein ornamentaler Gegenstand, 
im Schaukasten dem Auge gefällig, den man aber nicht gern zum Gebrauch 
herausnimmt. 
Dies ist der Fehler, den wir an den Arbeiten von mehreren dieser 
Kunstbuchbinder auszusetzen haben, obgleich er sich zweifelsohne im selben 

	        

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