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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 2)

wogegen Artur Ritter von Polzer in seinen tieftonigen Landschaften fast an die moderne 
Altväterlichkeit Haiders erinnerte. Er und der Abgeordnete Alfred von Skene, der die 
mährische Landschaft mit großer Wahrheit behandelt, ragen als Flügelmänner hervor. 
Poesie ist in den anziehend stilisierten Meerbildern der Gräfin Thun-Salm, ein kecker 
Farbengeist in den hingesprenkelten Ansichten der Gräfin Paula Revertera, deren Tiber- 
motiv aber von einem vornehmen Hauch beseelt scheint. Im Interieur waren Gräfin 
Czernin-Schönburg, und zwar mit modernem Stimmungsexperiment, Gräfin Gabriele 
Attems, Fürstin Windisch-Graetz-Auersperg („Nach der Messe"), Fürstin Wilhelmine 
Auersperg und Mrs. Soden (pompejanisch) besonders vermerkt. Mehrere Damen ragen 
jetzt sogar im lebensgroßen Porträt hervor; neben Fräulein von Kallay namentlich Gräfin 
Margarethe Seilern, die dabei selbst den großen Apparat bewältigt, in Studienköpfen 
Gräfin Ahlefeld-Laurig, Gräfin Marie Oberndorf und Gräfin Lippe-Pallavicini, in der 
Radierung Baronin Löwenthal-Maroicic (Porträt des Unterrichtsministers Ritter von Hartel). 
Einige Damen haben auch eine frische humoristische Ader; die Sammlung lustiger Ansichts- 
karten der Gräfin Deymm-Harnoncourt und das Maikäfer-Tennis der Baronin Rosa Haan 
erregten viel Heiterkeit. Prinzessin Marie Auersperg ist eine stramme Federzeichnerin 
sowohl im Tierstück als auch im Impromptu von der Straße. In der Plastik hielten drei 
Damen unbestritten den ersten Rang: Baronin Haas-Wächter mit der charaktervoll 
gegebenen lebensgroßen Büste des Grafen Schönbom, Präsidenten des Verwaltungs- 
gerichtshofes, Gräfin Schlick-Hohenlohe mit einem patinierten Bauernkopf von energi- 
scher Modellierung und einem im Reliefproiil tadellos rein gegriffenen Knabenporträt, 
dann Fräulein Margarethe Dreher mit einer wirklich reizenden weiblichen Porträt- 
statuette von antikisierendem Wurf. Schließlich bekundete Mrs. Bellamy Storer, Gemahlin 
des amerikanischen Botschafters (deren feines Porträt von Prinzessin Taxis-Hohenlohe 
gleichfalls die Ausstellung schmückte) ihre ungewöhnliche Begabung für plastische Klein- 
kunst. Ihre Vasen, Teller und Statuetten von meist phantasievoller Erfindung sind ganz 
aparte Sachen und dabei die polychrome Behandlung der Bronze, die sie mit Edelsteinen 
und Perlen pointiert, so originell, daß die Künstlerin sogar schon auf großen Ausstellungen 
Medaillen errungen hat. 
EZESSION. Die 22. Ausstellung der Sezession bot dem Wiener Publikum einen 
sehr dankenswerten Überblick der modernen Plastik. Das Gemalte beschränkte sich 
bloß auf das farbige Ornament, mit dem Architekt Leopold Bauer die übersichtlich geglie- 
derten Räume geschmückt hatte, bei einer Ausstellung meist farbloser Werke gewiß mit 
voller Berechtigung. Die beiden Hauptwerke waren Max Klingers „Drama" und Eduard 
Hellrners Kastaliabrunnen für den Arkadenhof der Universität. Klingers Werk ist eine 
ganz persönlich und ganz bildhauerisch geartete Schöpfung, in der das Publikum sozu- 
sagen den Identitätsnachweis vermißte. Warum Drama? fragte es. Nun dieser Name - 
da das Kind doch einen Namen haben muß - fand sich erst nachträglich ein; man 
weiß ja, daß der Künstler ursprünglich an den Kampf der Buren dachte („Boerorum belli 
imago" schrieb er gelegentlich mit Bleistift an den Sockel eines Abgusses). Dann schien 
ihm dies doch wieder zu novellistisch, Tagesneuigkeit in Marmor, und er sagte einfach 
„Drama". Sind doch darin die Grundelemente des Dramas: angespanntes Handeln, die Ab- 
spannung im Leiden und die leise Stimmung des Mitleids in drei vollgültigen Gestalten 
gleichsam auf ihren einfachsten Ausdruck gebracht. Für den Bildhauer als solchen ergab 
sich das fernere, rein formale Problem: zwei Figuren im wirksamsten Gegensatz, eine 
wagrecht hingestreckte unter einer mächtig zusammengeknäuelten; die dritte, das sitzende 
Mädchen, ergab sich ihm erst hinterher aus dem Größenverhältnisse des Blockes. Man 
könnte sagen: als er den Block durchsuchte, fand er darin statt zweier Figuren drei. 
(Solches Finden im Blocke sah man auch an Hugo Lederers vorzüglichem „kauemdem 
Mädchen", wo das Problem gelöst schien, das Material mit möglichst geringem Verlust an 
Spänen auszunützen, wie Michelangelo beim David.) Wie Klinger seine Figuren eindringlich 
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