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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 2)

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Schlußstück einen Anhänger in Emailkoloristik tragen. Diese Gattung, die durch die vielen 
Darmstadt-Nachahmungen etwas kompromittiert ist, trägt in der englischen Ausgabe 
doch ein so besonderes Gesicht, die Abstimmung der Töne ist so geschmackrein, daß sie 
fesselt und Anerkennung fordert. 
Für die Zerrbilder und die MiB- 
verständnisse der Gegenbeispiele 
kann sie schließlich nichts. 
Koloristische Qualitäten ha- 
ben auch die Knöpfe mit Email- 
dekor. Wie überlaufen wirken 
sie in ihren flüssigen welligen 
Tönen. 
Das Zeichnerische an man- 
chen Stücken verdient noch Be- 
achtung. Eine zweizinkige Haar- 
nadel ist zum Beispiel so geführt, 
daß die Zinken sich am oberen 
Ende überkreuzen, und daß aus 
jedem sich organisch ein Ansatz 
verzweigter Äste als Schmuck- 
stück entwickelt, in denen rote 
Granaten blühen. 
Unter den Künstlerinnen, 
die Ashbeesche Wege gehen und 
auf ihnen zu eigenen Persönlich- 
keitsresultaten gelangten, ist Miß 
Connel hervorragend. 
Ihre Gefäße zeigen eine großzügige selbständig erwachsene Architektur und die 
Treibkunst, mit denen die Wandungen geschmückt sind, ist von hoher Vollendung. Mill 
Connells Spezialität sind Teebüchsen in runder, ovaler und viereckiger Form. Sie haben 
etwas Wuchtiges in ihrem Gefüge, man denkt an die Körper altholländischer Laternen. 
Auf einer solchen Büchse sind im weichen Relief Elefanten herausgetrieben und in der 
tiefen grauen Tönung wirkt dieser Flächendekor außerordentlich ornamental. Eine andere 
Box ist eine Komposition aus Glas und Silber. Das eigentliche Gefäß aus grünem Glas 
wird von Silberuntersatz und -deckel gehalten und zwischen den beiden Grundliächen 
spinnen sich nun über die grüne Glaswandung fein gegliederte Silberranken, die nach oben 
in Trauben ausgehen und diese Früchte bilden als oberen Abschluß einen Kranz, durch 
dessen schimmernde Maschen das Grün hindurch leuchtet. Und der Deckel ist so 
gegliedert, daß in freier Linienentwicklung aus seiner Mitte ein Fruchtknollen aufwächst, 
der als Griff dient. 
Feinen Takt der Durchbrucharbeit zeigt auch ein silberner Teller mit reichem Filigran- 
omament an seinem Rand und von altmeisterlicher Fülle und sicherer Kraft ist die Silber- 
schale mit ihrem getriebenen Frucht- und Blütenkranz, üppig wie das Gehänge eines della 
Robbia-Frieses. 
Den Ashbee-Emaillen ebenbürtig sind die beiden gerahmten Emailplatten der Miß 
Harvey: Ornamentale Frauenbilder. Diese Gestalten, die eine auf einer Blumenwiese, die 
andere mit einer Frucht in der Hand, von fern an Bellinische Allegorien erinnernd, sind von 
einer trunkenen Fülle des Kolorits. Von feurigem Schmelz triefen diese Farben, aus tiefem 
Grund glüht es magisch auf und wie in eigener Glut gehüllt liegt es da, ein erstarrter 
Farbenrausch. Verwandt solch koloristischem Reichtum sind auch Ida Keys Glasfenster. 
 
„Heilige Familie" von Botticelli 
IF 17
	        

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