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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 1)

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Regel war. Zum 
Teil bildeten ja die 
Dekorationen des 
ostasiatischen Por- 
zellans in den ersten 
Jahrzehnten der 
Produktion von 
Meißen und Wien, 
die ja für diese erste 
Periode - von 
Venedigs Porzellan- 
kunst weiß man ja 
noch so gut wie gar 
nichts - allein in 
Betracht kommen, 
die Vorbilder der 
Maler.Danebenaber 
gehen in Meißen 
Dekorationen, die eigens für das Porzellan dieser Fabrik erfunden worden 
sind. Es sind das vor allem die Chinoiserien des Malers Johann Gregor 
Herold, jene reizvollen, phantastischen Bildchen, in denen eine heitere 
Märchenwelt - die personifizierte Exotik, wie man sie nennen könnte H 
in einer unerschöpflichen Fülle von Einfällen und launigen Episoden dar- 
gestellt ist. Wenn auch hin und wieder Erinnerungen an Stiche aus 
Reisewerken leicht anklingenli, so sind diese Kompositionen doch ganz 
eigenartig und neu. Wie groß der Erßndungsreichtum Herolds und seiner 
Schüler war, zeigt sich schon an einem einzigen Service. In der Regel sind 
sämtliche Darstellungen auf allen Stücken voneinander verschieden, keine 
einzige wiederholt sich. 
Neben Herold werden in dem Verzeichnisse der im April 1731 in Meißen 
beschäftigten Arbeiter noch sechs andere Maler für „Japponische Figuren" 
aufgeführt. Einige von ihnen haben offenbar unabhängig von Herold einen 
eigenen Stil besessen, denn es finden sich neben den Heroldschen Chinoi- 
serien noch andersartige Chinesendarstellungen, solche in einfacher eckiger 
Umrißzeichnungw und solche, die sich ganz an die Bilder der ostasiatischen 
Porzellane anschließen, indem sie in ähnlicher Weise die Emailfarben in 
breiten Flächen auftragen. Für die anderen, weniger selbständigen Maler 
gaben wahrscheinlich Stiche die Vorlagen, die Herold zu diesem Zwecke 
verfertigte. Zwei derselben haben sich noch in der Ornamentstichsammlung 
des königlichen Kunstgewerbemuseums erhalten; der eine trägt die Bezeich- 
nung: „J. G. Höroldt. inv. et fecit r726" (Abb. Seite 24). In ähnlicher Weise 
4' Vgl. Europäisches Porzellan des XVIII. Jahrhunderts. Katalog der vom 15. Februar bis 30. April 1904 
im Lichthofe des kgl. Kunstgewerbemuseums zu Berlin ausgestellten Porzellane. Von Adolf Brüning in Ver- 
bindung mit Wilhelm Behncke, Max Creulz und Georg Swarzenski. Berlin rgo4. Einleitung Seite XII und H. 
H: Vgl. Europäisches Porzellan u. s. w. Tafel VIII. 
 
„La Perspective". Stich von Crepy nach Waneau
	        

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