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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 1)

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Dieses Verdienst zu würdigen sei folgende Stelle aus dem Aufsatze Prof. Ungers angeführt: 
„Ein mitunter recht verbitterter Widerstreit entbrannte darob auch in den engeren Fach- 
kreisen und so brauchte es geraume Zeit, bis die, von den ihr anfänglich anhaftenden 
Unzulänglichkeiten befreite, heute dominierende Art der Buchausstattung fast allerorten 
zur Geltung kam. Auch die Staatsdruckerei wollte sich nicht durch frühes Erscheinen auf 
dem umstrittenen Gebiet exponieren, welches Bestreben anläßlich der Pariser Weltaus- 
stellung igoo deutlich zum Ausdruck kam, und sie beschränkte sich mit allzu ängstlicher 
Vorsicht auf die Fälle, in welchen eine moderne Ausführung vom Besteller strikte 
gewünscht worden war. Hieher gehört die auch als Buchdruckarbeit sehr gediegene 
Publikation des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, betitelt „Kunst und 
Kunsthandwerk", welche als Monatsschrift seit 1898 erscheint und ein vom bis dahin Her- 
kömmlichen entschieden abweichendes Gepräge aufweist. Die in jüngster Zeit entstandenen 
Werke beweisen nicht nur, daß mittlerweile die Staatsdruckerei mit vorzüglichem Erfolg 
die so zahlreich gegebenen künstlerischen Anregungen verwertet hat, sondern daß sie auch 
hier wieder schöpferisch vorangeht." In diesem Sinne ist denn auch das vorliegende 
Prachtwerk mit Freude zu begrüßen. Es zeigt die harmonische Wechselwirkung aller 
modernen Kräfte im günstigsten Lichte. Von dem schönen Papier (Schlöglmühl), mit 
Moserschen Wasserzeichen, bis zu dem gediegenen Moserschen Ledereinband der Gala- 
exemplare aus der Wiener Werkstätte ist alles von dem gleichen Geiste sachlichen und 
persönlichen Ernstes getragen. Gedruckt ist der Text mit einer in der Staatsdruckerei 
neu geschnittenen Buchschrift „Plinius", bei deren Durchbildung Rudolf v. Larisch 
entscheidend mitgewirkt hat. Die mannigfaltig erfundenen Einrahmungen und Initialen 
nebst sonstigem Zierwerk sind Professor Koloman Moser zu danken, der auch die 
künstlerische Ausführung des Ganzen überwachte. Die Holzschnitte, teils Original, teils 
photozinkographisch reproduziert, sind von C. O. Czeschka. Sie stellen die Schauplätze 
und den Hergang der mancherlei Arbeiten in der Anstalt mit großer Lebendigkeit dar und 
fügen sich mit ihrem typographisch gestimmten Schwarz und Weiß treiilich in das 
Gesamtbild jeder Druckseite ein. Auf zahlreichen Bildtafeln sind authentische Porträts 
von beteiligten Persönlichkeiten wiedergegeben. Den Anfang macht ein farbiger Kombi- 
nationsdruck nach Horovitz' Bildnis des Kaisers, den Schluß ein Dreifarbendruck mit der 
Ansicht des 1890 erbauten neuen Hauses, nach einem Aquarell von L. Müller. So fügt 
sich all dieses Vielerlei in ein organisches Gebilde, das der Anstalt und ihren Mitarbeitern 
zur Ehre gereicht. 
KLEINE NACHRICHTEN 50' 
DIE "PIETÄ VON RAPHAEL BONNER IM DOME ZU GURK 
(KÄRNTEN). Der Dom zu Gurk, eines der hervorragendsten Baudenkrnale des 
an Kunstschätzen reichen Alpenlandes Kärnten, birgt in seinem Innern die bedeutendste 
Schöpfung Raphael Donners auf religiösem Gebiete, die Kolossalgruppe der Pietä, in Blei- 
guß ausgeführt. 
Lange Zeit hat es gedauert, bis dieses Meisterwerk als solches erkannt und von der 
kunsthistorischen Forschung seinem wahren Werte nach gewürdigt wurde, leider nicht 
mit dem gewünschten Erfolge; einerseits sind den betreffenden Abhandlungen nur unvoll- 
kommene Abbildungen beigegeben," andererseits fand nur ein ganz kleiner Kreis von 
Verehrem der Donnerschen Muse Zeit und Gelegenheit, das abgelegene Gurktal auf- 
zusuchen und sich an der monumentalen Würde sowie an der edlen Großartigkeit der 
ergreifend schönen Komposition zu erfreuen. 
' Infolge der Lichtvexhiltniase des Domes gelingen photographische Aufnahmen nur in seltenen Fällen. 
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